Wenn TYNA in diesem Sommer beim Match Börner Open Air in Norderstedt auf der Bühne stehen, fühlt sich das für die Band fast wie ein Heimspiel an. Die Nähe zu Hamburg, vertraute Gesichter im Publikum und die familiäre Atmosphäre des Festivals machen den Auftritt zu etwas Besonderem. Zwischen Clubshows, langen Festivalreisen und großen Bühnen bleibt das Match Börner Open Air ein Ort, an dem Community, Echtheit und Live-Musik im Mittelpunkt stehen. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine erzählt die Band, warum ihnen genau dieses Umfeld so wichtig ist, was sie sich vom Publikum wünschen und weshalb Festivals trotz aller Unplanbarkeit ihre ganz eigene Magie besitzen.
Frontstage Magazine: Ihr steht dieses Jahr beim Match Börner Open Air auf dem Line-up. Was bedeutet euch dieses Festival persönlich – gerade auch im Vergleich zu Clubshows oder größeren Festivalformaten?
Tina: Ein Festival, zu dem wir nicht so lange anreisen müssen, juhu! Da wir aus Hamburg sind, ist es für uns natürlich richtig schön, in „unserer“ Hood zu spielen. Das ist auf jeden Fall etwas Besonderes für uns und energetisch auch sehr viel entspannter. Ich durfte im letzten Jahr schon vor Ort sein und das Festival moderieren. Deshalb freut es mich umso mehr, in diesem Jahr dann auch auf dem Match Börner zu spielen.
Murphy: Ich habe etwas über sechs Jahre in Hamburg-Langenhorn gelebt, entsprechend ist diese Nähe schon etwas Cooles für mich. Damals war alles, wo man etwas hätte erleben können, immer sehr weit weg – hier wäre es jetzt zur Abwechslung mal nur ein größerer Steinwurf.
Mia: Endlich mal halbwegs in der Nähe! In den letzten Festivalsaisons lag kein größeres Festival unter drei Stunden Autofahrt – eher mehr. Hamburg ist, was das angeht, nicht der alleroptimalste Ausgangspunkt zum Touren. Aber diesmal ist es easy – quasi Heimspiel! Und das bedeutet auch, dass Familie, Freund:innen und Bekannte es nicht weit haben und endlich mal zu einer Festival-Show kommen können. Das ist immer ein Highlight.
Frontstage Magazine: Das Match Börner Open Air gilt als sehr nahbares, community-getriebenes Festival. Wie wichtig ist euch genau dieses Umfeld für eure Art, Musik live zu transportieren?
Tina: Sehr wichtig. Wir machen zwar Musik und dürfen auf vielen Bühnen stehen, aber wir sind auch nur Menschen. Wir haben ebenfalls Unsicherheiten und Ängste, so wie jede*r andere auch. Unsere Musik und Konzerte sollen echt sein. Da sind alle Emotionen erlaubt – und das macht es dann hoffentlich auch nahbar.
Murphy: Und auch wir leben von unserer Community, da ist uns so etwas natürlich sehr nah. Einmal natürlich die Community unserer Fans mit uns, aber auch untereinander. Total irre, wie viele Menschen durch uns Freund:innen gefunden haben – da muss man sich schon mal kneifen. Aber auch unsere erweiterte Crew besteht aus wahnsinnig vielen lieben Menschen, die uns sehr nah stehen. Als kleinere Band kannst du ohne Community eigentlich fast nichts machen.
Frontstage Magazine: Viele Besucher*innen kommen nicht nur wegen einzelner Acts, sondern wegen der Atmosphäre und des Miteinanders. Was macht für euch ein gutes Festivalpublikum aus – und was wünscht ihr euch für euren Auftritt in Norderstedt?
Tina: Wenn wir den ersten Song spielen und die Menschen dabei direkt liebe- und rücksichtsvoll eskalieren. Das wünsche ich mir für jede unserer Shows. Ein schönes und achtsames Miteinander.
Murphy: Ich würde noch eine gewisse Neugierde oder Offenheit gegenüber Unbekanntem sagen. Ich mag Konzerte oder Festivals gar nicht, wo ich das Gefühl habe, ich sehe die ganze Zeit immer den gleichen Act mit wechselnden Shirts und Haarfarben. Dann lieber ein Line-up wie ein Blumenstrauß und ein Publikum, das sich nicht scheut, auch mal etwas Neues kennenzulernen. Ganz davon abgesehen, dass wir darauf als Band ja auch angewiesen sind.
Mia: Genau das macht eigentlich ein cooles Festivalpublikum aus: wegen der Musik und dem Flair hinzugehen und offen für neue Bands und Künstler:innen zu sein – in dem Fall natürlich auch für uns. Es gibt als kleinere Band im Festivalkontext nichts Depressiveres, als auf einer riesigen Festivalbühne zu stehen, wohl wissend, dass Tausende Menschen anwesend sind, aber niemand vor der Bühne steht, weil sich diese Tausenden ein paar Meter weiter auf dem Campingplatz mit Ballermann-Hits aus der Bluetooth-Box begnügen, bis der Hauptact spielt. Ich wünsche mir vom Norderstedter Publikum einfach Bock auf Live-Musik.
Frontstage Magazine: Ein Open Air bringt immer besondere Rahmenbedingungen mit sich – Wetter, Tageszeit, offene Bühnen. Verändert das eure Herangehensweise an eine Show im Vergleich zu einem klassischen Clubabend?
Tina: Das Konzert an sich beeinflusst es meistens nicht. Außer die Sonne knallt so auf die Bühne, dass wir kurz vor einem Hitzeschlag stehen – alles schon passiert. Dann müssen wir natürlich auf uns aufpassen. Aber wir versuchen, aus jeder Situation das Beste herauszuholen. Die Show-Vorbereitung beziehungsweise der Aufbau können natürlich beeinflusst werden und müssen dann angepasst werden.
Murphy: Einige von uns haben letztes Jahr nach einem Regensturz tatsächlich eine ganze Zeit damit verbracht, das abfließende Wasser umzuleiten, damit es nicht unsere Bühne unterschwemmt und die Wiese davor aufweicht. Das ist in dem Moment noch ganz lustig, aber wir sind auch schon unverrichteter Dinge von Veranstaltungen abgereist, weil es nicht sicher gewesen wäre, den Auftritt durchzuführen – weder für uns noch für das Publikum. Zum Glück passiert so etwas selten. Aber es lohnt sich, weil eine Open-Air-Show ihre ganz eigenen Reize hat.
Frontstage Magazine: Sommer, Open Air, viele unterschiedliche Menschen vor der Bühne – was macht für euch den besonderen Reiz eines Festivals wie dem Match Börner Open Air aus, den man bei anderen Shows nicht bekommt?
Murphy: Das ist gar nicht unbedingt MBOA-spezifisch, aber neue Leute lernen uns kennen – und wir lernen neue Leute kennen, zum Beispiel andere Bands oder Künstler:innen. Und auch das unberechenbare Wetter hat seinen Reiz: Wenn die Abendsonne tief steht und auf die Bühne scheint, ist das ein fantastischer Moment. Oder es schüttet wie aus Eimern und die Leute bleiben trotzdem da und feiern weiter. Das hat eine ganz eigene Magie. Über das Abbauen im Regen legen wir lieber einen Mantel des Schweigens.
Mia: Wir spielen ja zum ersten Mal auf dem MBOA, aber Festivals in dieser Größe und mit einem ähnlichen Konzept haben wir bisher immer als super lieb und familiär wahrgenommen. Es ist noch keine große Maschine geworden, sondern meist ein Herzensprojekt – und das merkt man, weil in allem Seele steckt.
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Fotocredit: konzertsucht