Gegen Mittag legte sich der vertraute Soundmix aus tiefen Bässen, jubelnden Menschen und Festivalgeräuschen über den De Schorre-Park. Der zweite Festivalfreitag des Tomorrowland startete mit strahlender Sonne und klarem Himmel – in Belgien keine Selbstverständlichkeit. Die Wege waren gut gefüllt, doch die Stimmung blieb entspannt. Überall tanzende Gruppen, internationale Flaggen, detailverliebte Kulissen – Tomorrowland wirkte wie eine eigene Welt, in die man sofort eintaucht.
Was man auf dem Gelände zunächst kaum glauben konnte: Die neue Mainstage stand erst wenige Stunden vor Festivalbeginn vollständig. Die ursprünglich geplante Bühne war am Mittwochabend – nur zwei Tage vor dem Start – komplett abgebrannt. Noch in derselben Nacht versammelten sich die Veranstalter und das Produktionsteam in einem sogenannten War Room, entwickelten bis in die frühen Morgenstunden ein neues Konzept und starteten am Donnerstagmorgen die logistische Umsetzung. Einzelteile aus ganz Europa wurden organisiert und nach Boom gebracht. Auch das Visual Effects Team arbeitete unter Hochdruck und erstellte in kürzester Zeit über 3000 Effekte, die nun live zur Musik gemixt werden. Über 200 Mitarbeitende haben es geschafft, innerhalb von rund 36 Stunden eine komplett neue Bühne aufzubauen und funktionsfähig zu machen
Musikalisch begann unser Tag bei Ruth Royall auf der Rose Garden Stage, wo melodischer Drum & Bass auf live gesungene Vocals traf. Danach ging es weiter zu Avalan Rokston auf der Freedom, bevor Matisse & Sadko die Mainstage zum ersten Mal für uns zum Beben brachten. Die Sonne brannte inzwischen über der schnell anwachsenden Menschenmenge, während ihr Set und gemeinsame Collabs mit Martin Garrix euphorisch gefeiert wurde.

VIDO überzeugte anschließend mit einem elektronisch aufgeladenen Set in der Atmosphere, bevor Bresh auf der Great Library Bühne für südamerikanisches Partygefühl sorgte. Die Library selbst war in diesem Jahr komplett neu gestaltet – riesig, offen, mit versteckter Technik und gigantischen LED-Flächen, die sich permanent wandelten. Der Sound war kraftvoll, das Design atemberaubend. Da Tweekaz übernahmen dort später mit ihrem charakteristischen Party-Hardstyle-Set und sorgten für eine entsprechend ausgelassene Stimmung auf der bis auf den letzten Platz gefüllten Fläche.
Auch die Freedom Staage war visuell auf höchstem Niveau – mit einem LED-Himmel aus beweglichen Panels, einer riesigen LED-Leinwand und intensiver Lichtführung. Die Bühne und die visuellen Effekte der Artists sorgten für eine immersive Dynamik, die das Publikum regelrecht mitriss.
Der Abend verlagerte sich langsam zur Mainstage, wo das Headliner-Trio seinen Auftritt hatte. Swedish House Mafia bestückten ihr Set mit bekannten Songs wie „Don’t You Worry Child“ und „Save the World“. Die Menge sang mit, es gab Feuerwerk und passende Lichteffekte, was für eine stimmige Atmosphäre sorgte. Es war ein solider Auftritt, der gut zum Festival passte. Persönlich fanden wir, dass die Jungs leider sehr von ihren alten Hits leben und etwas frischer Wind nicht schaden würde.
Armin van Buuren hat beim Tomorrowland schon oft bewiesen, dass er mehr ist als nur ein DJ, der Hits abspult. Mit Songs wie „Blah Blah Blah“ und „This Is What It Feels Like“ hat er die Crowd immer wieder gepackt. Sein Set lebt von den großen Melodien, aber auch seinen großen Trancehymnen. Man merkt, wie die Menge bei jedem Drop förmlich aufspringt, die Arme in die Luft reißt und den Moment genießt. Armin schafft es, eine Verbindung herzustellen, die nicht einfach nur Unterhaltung ist, sondern echte Emotionen auslöst.

Hardwell hat sein Comeback auf der Mainstage mit viel Energie und frischem Sound gefeiert. Klassiker wie „Spaceman“ kamen genauso gut an wie härtere, schnellere Tracks – darunter auch sein neuer Song „Hideaway“ mit Atmozfears, den er gegen Ende seines Sets spielte. Er gibt im Set von Anfang bis Ende Vollgas, bringt die Crowd zum Tanzen und zieht die Energie bis in die hintersten Reihen. Pyro und Feuerwerk unterstreichen die Stimmung, aber der Fokus bleibt klar auf der Musik und dem Flow. Hardwell bringt keine große Show, sondern liefert ein Set, das direkt und mit viel Leidenschaft rüberkommt.
Die neue Mainstage war in ihrer minimalistischen Form deutlich reduzierter als in den Vorjahren, doch genau das machte sie besonders. Die Nähe zu den DJs, die Offenheit der Konstruktion und der direktere Kontakt zwischen Künstler und Publikum fielen spürbar positiv auf. Viele um uns herum äußerten genau diesen Eindruck – vielleicht eine Richtung, die auch in Zukunft Bestand haben sollte.
Organisatorisch lief der Tag reibungslos. Der Einlass funktionierte ohne lange Wartezeiten, das Essensangebot überzeugte durch Vielfalt und Qualität, die Sanitäranlagen waren sauber und ausreichend. Durch die etwas verkleinerte Mainstage verteilten sich die Besucher stärker auf andere Flächen, was manche Bereiche belebter machte – aber ohne zu überfordern. Die Kapazität wirkte gut ausbalanciert, mehr Besucher hätte das Gelände jedoch kaum vertragen.
Ein langer Festivaltag ging mit einem dichten, eindrucksvollen Headliner-Block zu Ende. Die Kombination aus musikalischer Vielfalt, technischer Präzision und starker Atmosphäre bestätigte einmal mehr, warum Tomorrowland nicht nur ein Festival, sondern ein Erlebnis ist, das man nicht so schnell vergisst.
Fotocredit: Sven Mense