Fast zehn Jahre ohne neues Studiomaterial. Und zwischenzeitlich gab es durchaus Gründe, daran zu zweifeln, ob überhaupt noch einmal neue Musik von Power Trip erscheinen würde. Nach dem Tod ihres charismatischen Frontmanns Riley Gale im Jahr 2020 stand die Zukunft der texanischen Crossover-Thrash-Band lange in den Sternen. Zwar kehrten Power Trip mit dem 2023 eingestiegenen Sänger Seth Gilmore auf die Bühne zurück, neue Songs ließen allerdings weiter auf sich warten. Bis jetzt. Mit der Doppel-Single „Precinct 3“ / „Scavenger“ meldet sich die Band nun eindrucksvoll zurück und kündigt gleichzeitig ein neues Studioalbum für das Frühjahr 2027 an.
Und wer befürchtet hatte, dass Power Trip nach all den Jahren plötzlich handzahm geworden sein könnten, darf aufatmen. „Precinct 3“ prügelt sich mit satten 205 BPM, messerscharfen Gitarren und einem amtlichen Half-Time-Beatdown durch die Gehörgänge. Inhaltlich geht es um Machtmissbrauch und gesellschaftspolitische Entwicklungen – Themen, die vermutlich auch Riley Gale beschäftigt hätten. Mit „Scavenger“ wird das Tempo anschließend etwas gedrosselt, die Wucht allerdings keineswegs. Der Midtempo-Stampfer erinnert an frühere Bandklassiker wie „Soul Sacrifice“ und beschäftigt sich mit Menschen, die sich gerne mit fremden Erfolgen schmücken. Beide Songs entstanden im Empire Sound Studio in Texas mit Produzent Jacob Hansen (unter anderem Volbeat und Amon Amarth) sowie Gitarrist Blake Ibanez als Co-Produzent.
Natürlich wird sich Seth Gilmore auch weiterhin Vergleiche mit seinem verstorbenen Vorgänger gefallen lassen müssen. Ein leichtes Erbe ist das schließlich nicht. Umso erfreulicher, dass Power Trip mit den beiden neuen Songs nicht versuchen, ihre Vergangenheit künstlich hinter sich zu lassen, sondern ziemlich selbstbewusst daran anknüpfen. „Precinct 3“ / „Scavenger“ sind ab sofort über Blue Grape Music digital erhältlich und erscheinen außerdem als limitierte 7-Inch-Single. Zu „Precinct 3“ gibt es ein Musikvideo unter der Regie von Eric Richter. Und nach fast einem Jahrzehnt Wartezeit steht nun tatsächlich ein Nachfolger des 2017 erschienenen „Nightmare Logic“ in Aussicht. Wurde aber auch langsam Zeit.
Fotocredit: Single-Artwork von James Bousema