Radie Peat, eine der eindrucksvollsten Stimmen der aktuellen irischen Folk-Szene und bekannt durch Lankum und ØXN, hat ihre erste Solosingle veröffentlicht: „Still I Love Him“ erscheint über Rough Trade Records und zeigt sie in einer reduzierten, dafür umso intensiveren Form.
Ausgangspunkt ist ein traditionelles Liebeslied, das Peat mit ihrer kraftvollen Altstimme, präziser Technik und großer emotionaler Spannweite in die Gegenwart holt. „Still I Love Him“ verhandelt die Höhen und Tiefen romantischer Beziehungen und erzählt – jenseits romantischer Verklärung – von innerer Stärke und Selbstbestimmung. Entdeckt wurde eine seltene Fassung des Songs von ihrem Freund und musikalischen Weggefährten John Francis Flynn im Archiv für traditionelle irische Musik, wo das Stück unter „True Love“ klassifiziert war – eine Kategorisierung, die Peat als düster empfindet, weil sie Leid und Durchhalten aus Liebe miteinander verknüpft.
In ihrer Interpretation zeichnet Radie Peat das Porträt einer Frau, die mit einem schwierigen Partner ringt und versucht, ihren eigenen Weg zu finden. Sie legt die bittersüße Ambivalenz des Liedes offen: die Euphorie der Liebe ebenso wie ihre zerstörerischen, orientierungslosen Seiten und die schleichende Erosion des eigenen Selbst. Gleichzeitig entsteht ein Gefühl von Halt und Widerstandskraft, weil Toleranz und Vergebung sich Schritt für Schritt in Resilienz verwandeln – zwei Seiten derselben Medaille, wie Peat es beschreibt. Dass sie diesen Ansatz wählt, passt zu einer Künstlerin, deren Band Lankum mit dem vierten Album „False Lankum“ zuletzt für Mercury Prize und Ivor Novello Awards nominiert war und deren Musik bis in große Film- und Serienproduktionen hinein wirkt, etwa in der Schlussszene des neuen Peaky‑Blinders‑Films „The Immortal Man“.
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