Sofie Royer bleibt eine der interessantesten Unruhestifterinnen im Pop-Zwischenraum: Für den 4. September kündigt die österreichisch‑iranische Musikerin ihr viertes Album „before/after“ bei Stones Throw an – eine Platte, in der es weniger um äußere Konflikte als um den inneren Dauerclinch geht. Je älter man wird, sagt sie, desto klarer treten die eigenen Muster zutage – und desto frustrierender ist die Erkenntnis, dass man sie trotz aller Selbstanalyse immer wiederholt. „Im Grunde genommen ist es im Zustand von ‚before/after‘ immer du gegen dich selbst“, fasst sie das Konzept zusammen. Passend dazu zeigt das Cover ihr Gesicht unter einem Stiefel, die Rückseite verrät: Den Stiefel hält sie selbst.
Die neue Single „Sesquicentennial“ markiert den Einstieg in diese Welt. Entstanden „an der Schwelle zu etwas, das sich noch nicht benennen lässt“, wurzelt der Song in einem Moment in der texanischen Hitze nach einer SXSW‑Show, als Royer das Wort auf einem Autoaufkleber las – „alle hundertfünfzig Jahre“. Absurd und aufregend zugleich, ein Stichwort, das sie zu Gedanken über die Zyklen im eigenen Leben brachte, über das, was wir scheinbar schicksalhaft wiederholen müssen. Musikalisch kleidet „Sesquicentennial“ diese Idee in fein geschliffenen Pop, der nie zu glatt wird. Das dazugehörige Video, das sie nebenbei auf einer China‑Reise gedreht hat, bewegt sich irgendwo zwischen „Lost in Translation“-Hommage und beiläufigem Reisetagebuch – immer mit dem Gefühl, einer Figur zuzusehen, die sich selbst beim Beobachten zuschaut.
Dass Royer diese Ambivalenzen so präzise in Pop übersetzen kann, kommt nicht von ungefähr. Klassisch ausgebildet am Wiener Konservatorium, landete sie mit 19 in Kalifornien, baute in L.A. die Boiler‑Room‑Reihe mit auf, legte als DJ auf und arbeitete beim Label Stones Throw, bevor sie in den letzten sechs Jahren mit drei Alben ihr eigenes Songwriting‑Universum etablierte. Heute ist sie eine Popkünstlerin, die Fassbinder‑, Lynch‑ und Falco‑Referenzen in ihre Texte streut und sich produktionstechnisch auf Augenhöhe mit der Gegenwart bewegt: Für „before/after“ hat sie mit Matt Cohn (SZA, Charli XCX), Jorgen Odegard (Sabrina Carpenter, BLACKPINK) und Eli Hirsch (Suki Waterhouse) gearbeitet. Ihr Ruf eilt ihr dabei längst voraus: Von DIE ZEIT über die Süddeutsche Zeitung bis Arte wird sie als sehr zeitgemäßer Popstar beschrieben, der Kunst, Mode und Musik zu eigenwilligen Performances verbindet.
Fotocredit: Oskar Burger