Manchmal reicht schon ein erster Hinweis aus der Pressemail, um zu wissen, wohin die Reise geht. Bei den GiGi Girls war das für mich vor allem dieses Versprechen von Italo-Pop, Dream-Pop und einer gewissen „Leggerezza“. Ein Kölner Trio, das Pop nicht als bloßes Genre versteht, sondern als offenen Raum für Nähe, Spiel und Gemeinschaft – das klingt im ersten Moment vielleicht etwas zu hübsch, um wahr zu sein. Aber genau darin liegt die eigentliche Herausforderung: Hält das Album, was die Ankündigung verspricht? Die Antwort ist ziemlich eindeutig: ja.
Mit „Greatest Hits“ legen die GiGi Girls ein Debüt vor, das sich anfühlt, als hätte es seine eigene kleine Parallelwelt gebaut. Eine Welt aus 80s-Synthesizern, warmen Farben, eingängigen Hooks und diesem sehr bewussten Wunsch, Pop nicht nur zu reproduzieren, sondern weiterzudenken. Das ist keine Platte, die sich in Retro-Nostalgie bequem macht. Vielmehr nimmt sie die Ästhetik der Achtziger als Ausgangspunkt und übersetzt sie in etwas Gegenwärtiges, Persönliches und erstaunlich zugängliches. Man hört schnell: Hier geht es nicht um Zitatkultur, sondern um Gefühl.
Was die GiGi Girls dabei besonders gut können, ist diese Balance aus Charme und klarer Kante. Die Songs sind verspielt, aber nie beliebig. Melancholisch ohne Schwermut. Und vor allem: Sie haben Melodien, die hängen bleiben. Der Opener „Ragazzo“ nimmt einen dabei direkt an die Hand und man fühlt sich tatsächlich wieder 15 und erinnert sich an lange Autofahrten in den Italienurlaub. Natürlich werden sich die GiGi Girls stets dem Vorwurf erwehren müssen, man setzt hier auf einen Trend und will auf der Italo-Pop Welle mitschwimmen. Allerdings sind sie gute Schwimmer und haben ausreichend gute Songs im Gepäck, die charmant und – trotz aller Retroromantik – eigenständig klingen.
„Baci al Sole“, „Amica Perfetta“ oder „Amore Per Sempre“ sind allesamt Hits die mit einer fast hymnischen Selbstverständlichkeit daherkommen. Da liegt diese Art von Energie in der Luft, die nicht auf Lautstärke setzt, sondern auf Zusammenhalt. Gerade dieser Gedanke zieht sich durch das Album. Die GiGi Girls klingen nie so, als wollten sie sich vor einer Szene beweisen. Eher so, als hätten sie begriffen, dass Pop dann am stärksten ist, wenn er etwas anbietet, in das man eintreten kann.
Auch die Entstehungsgeschichte erzählt viel über das Album. Das „GiGi Bootcamp“ in Italien klingt zunächst nach einer hübschen Anekdote, ist aber offenbar mehr als das. Abschottung, Sonne, gemeinsames Arbeiten, konzentriertes Songwriting – genau aus solchen Bedingungen entstehen oft Platten, die eine eigene innere Logik haben. Und diese Logik hört man hier. Die Songs wirken nicht zusammengestückelt, sondern als wären sie aus einem gemeinsamen Gefühl heraus gewachsen. Die Aufnahmen wurden später im Kölner Bedroom-Studio weiterentwickelt und mit Gästen aus dem Umfeld von Papercup Records ergänzt. So finden sich mit den beiden Kollaborationen „L’Anima“ (feat. John Moods) und „Il Futuro“ (feat. Jaako Eino Kalevi) wilkommene Farbtupfer im Italo-Pop Sound Kostüm der GiGi Girls.
Am Ende bleibt ein Debüt, das erstaunlich reif wirkt, ohne seine Leichtigkeit zu verlieren. „Greatest Hits“ ist ein Album, das den großen Pop-Moment nicht scheut, ihn aber mit genügend Charakter und Charme auflädt, damit er nicht austauschbar wird. Die GiGi Girls schaffen es, nostalgische Elemente so zu benutzen, dass daraus kein Rückblick entsteht, sondern ein eigener Sound. Und vor allem: offen genug, um mehr zu sein als nur ein weiteres gut gemachtes Debüt.
Fotocredit: Album-Cover