Manchmal braucht es keine lauten Paukenschläge, um die Welt zu erschüttern – oft reicht eine Stimme, die so ehrlich klingt, dass sie die Risse in unseren eigenen Fassaden freilegt. Mit der Veröffentlichung ihrer Debüt-EP „Simultaneously Stimulating“ am 10. April 2026 beweist die österreichische Singer-Songwriterin Ava Fina, dass sie genau diese Gabe besitzt. Geprägt durch Stationen in Peru, Südkorea und Hamburg, bringt sie ihren besonderen Sound in die hiesige Musiklandschaft, der Einflüsse von Ikonen wie Amy Winehouse oder Lana Del Rey atmet und dennoch eine völlig eigene, unverkennbare Handschrift trägt. Es ist Musik für eine Generation, die im Chaos der Welt nach Halt sucht und diesen im Mut zur eigenen Verletzlichkeit findet.
Eine musikalische Reise durch sechs Kapitel
Die EP bewegt sich musikalisch zwischen elektronischem Indie-Pop, Soul sowie intimen Balladen und deckt dabei eine beachtliche emotionale Spannweite ab.
Die Reise beginnt mit „no money“, einem Track, der uns sofort mit einem tanzbaren, frischen Beat in den Bann zieht. Dieser steht im spannenden Kontrast zur thematisierten Existenzangst und Erschöpfung. Ava Finas Stimme setzt hier gefühlvoll ein und gipfelt in einem extrem einprägsamen Refrain, der als Ode an das kreative Überleben fungiert.
Direkt im Anschluss beweist die Künstlerin mit „Crocodile Tears“ Mut zum Experiment. Über einem minimalistischen Instrumental entfaltet sich ihre klare Stimme in ihrer vollen Pracht und meistert mühelos auch die höchsten Töne, während sie die Sehnsucht nach echter Nähe besingt, die leicht mit Gefühlen verwechselt werden kann.
Dass Ava Fina auch das Spiel mit der Dynamik beherrscht, zeigt der hitverdächtige Song „Onions“. Hinter der atmosphärischen Leichtigkeit und den verträumten Klängen verbirgt sich eine scharfzüngige Auseinandersetzung mit Menschen, die auf persönlicher wie politischer Ebene mehr Tränen als Zuversicht hinterlassen.
In eine tiefe, fast schon meditative Klangwelt entlässt uns daraufhin „dear mind“. In dieser wunderschönen Ballade schlägt die Musikerin bewusst leisere Töne an und präsentiert sich technisch brillant sowie emotional zerbrechlich – ein intimer Brief an das eigene Ich.
Den Übergang zum Finale der EP bildet „BLABLABLA“. Getragen von einem pulsierenden elektronischen Beat, fängt der Song meisterhaft den Moment der Entfremdung ein, in dem Worte nur noch hohle Worthülsen sind. Den krönenden Abschluss bildet schließlich „WILD WOMAN“. Der Song beginnt atmosphärisch und fast ehrfürchtig, bevor er sich zu einem epischen Statement der Selbstermächtigung steigert. Der mühelose Wechsel zwischen gefühlvollem Gesang und schnelleren Passagen zeigt hier Ava Finas gesamte stimmliche Brillanz und entlässt die Zuhörenden mit einem Gefühl von neugewonnener Stärke.
Fazit
Ava Fina hat mit diesem Werk nicht nur eine Visitenkarte abgegeben, sondern ihren Platz am Tisch des internationalen Alternative-Pop eingefordert. Die Produktion von Sophie Lindinger und Johannes Madl verleiht der EP einen warmen, reduzierten und zugleich selbstbewussten Klang, der Ava Finas charakterstarker Stimme genau den Raum gibt, den sie verdient. Es ist selten, dass ein Debüt bereits so reif, so international und so punktgenau produziert klingt. Wer „Simultaneously Stimulating“ hört, erlebt den Geburtsmoment einer großen Karriere. Ein absolut beeindruckendes Debüt!
Fotocredit: Albumcover / Artwork