Am Ostersonntag erreichte das Paaspop Festival schließlich sein Finale. In Schijndel zeigte sich noch einmal eindrucksvoll, was dieses Festival auszeichnet: ein durchdachtes Line-up, starke Live-Performances und eine Atmosphäre, die vor Freundlichkeit und Begeisterung strotzte. Auch am letzten Tag blieb die Mischung aus internationalen Headlinern und spannenden Genre-Überschneidungen das zentrale Element. Damit setzte das Paaspop Festival einen würdigen Schlusspunkt unter das erste große Festivalwochenende des Jahres 2026.
Nach zwei intensiven Festivaltagen kam das Set von Tom Smith wie gerufen. Der Frontmann der Editors schlug begleitet von zwei Akustikgitarren sowie einem Keyboard einen deutlich reduzierteren Ton an als mit seiner Band. Seine tiefgehenden, teils melancholischen Songs eigneten sich perfekt für einen gelungenen Start in den letzten Tag. Leider verpasste sie es, unserer Meinung nach, die ganz besondere Wirkung zu entfalten, da dem ruhigen Set eine sehr geräuschvolle Kulisse gegenüberstand. Schaffte man es doch sich der Musik hinzugeben, war man von der Qualität der Stimme des Sängers und dem Gefühl aufgefangen. So darf jeder Festivaltag nach der letzten Partynacht beginnen; zwar ruhig, aber bestimmt nicht langweilig.
Langweilig konnte es beim Paaspop dank des üppigen Rahmenprogramms sowieso nicht werden. Angebote wie Speed-Dating, Musik-Memory oder ein Mini-Escape-Room sorgten für zusätzliche Abwechslung und unterstrichen einmal mehr den Erlebnischarakter des Festivals. Auf dem an eine eigene Stadt anmutende Festivalplatz ließ sich so mancher „Shop“ entdecken. Tagsüber wurden darin diverse Mitmachaktionen angeboten, während die Neonlichter der Nacht das Gefühl eines riesigen Zirkuses oder eines Volksfestes erzeugten. Ergänzt wurde die Vielfalt ein weiteres Mal durch ein reiches Kulturprogramm mit Theater, Stand-up-Comedy und Kabarett in gleich zwei Spielstätten. Darunter fanden sich ebenfalls Auftritte lokaler Artists wie der beeindruckende Beatboxer und Comedien Kjen Descheemaecker, seines Zeichens der beste Beatboxer Flanders 2017. Er verzauberte sein Publikum mit seiner Kunst und sorgte für ein erheitertes Publikum im kleinen Theater.
Musikalisch wurde es im weiteren Verlauf wieder deutlich intensiver. Native James brachte mit seiner Interpretation von Rap und Heavy Metal eine einzigartige Mischung auf die Bühne. Unterstützt von seinen Mitstreitern, die sich ebenso kompromisslos in die Performance warfen, entwickelte sich das Set schnell zu einem der lautesten und bewegungsintensivsten des Tages. Songs wie „Do What You Want“ sorgten für erste Bewegung im anfangs leicht zurückhaltenden Publikum. Songs wie „Get the fuck up“ mit dem implizierten Aufspringen heizten der Crowd weiter ein und sorgten für zusätzliche Interaktion. Wer auf harte Riffs gepaart mir Rap steht, sollte auf jeden Fall seine letzte EP „Confessions of a Sinner“ im Auge haben, von der die genannten Songs stammen. Ähnlich elanvoll ging es im Anschluss bei Karen Dió zu. Mit einem ungewöhnlichen Radio-Intro leitete sie ihr Set ein, bevor sie mit brasilianischem Punkrock direkt nach vorne ging. Bereits nach dem ersten Song war einer der Drumsticks zerbrochen, welches sinnbildlich für die hohe Energie des Auftrittes gesehen werden konnte. Somit wechselten sich die Geschlechter im Shelter ab und zeigten, wie lupenreiner Rock auszusehen hatte.
Für den gefeierten, stilistischen Gegenpol sorgten The Scientists, die gemeinsam mit dem Bläserorchester des Schijndeler Musikvereins auftraten und Coldplay in Symphony erschufen. Diese ungewöhnliche Kombination verlieh bekannten Songs wie „Paradise„, „Higher Power“ und „Clocks“ eine neue Klangfarbe und zeigte einmal mehr die kreative Bandbreite des Festivals. Obwohl das Orchester fast den gesamten Raum auf der Bühne einnahm, kam es klanglich leider manchmal etwas zu kurz. Diese Note hätte man gerne stärker betonen dürfen. Nichtsdestotrotz war das Publikum zweifelsohne für das Orchester da und trällerte die weltbekannten Hits freudig mit. So strahlend wie die Stimmung des Publikums, konnte man sich auch größtenteils über das Wetter freuen. Zwar war der Wind recht kalt, aber bis auf einen kurzen Regenschauer am Sonntagnachmittag, der die Zelte noch einmal gut füllte, konnte man sich über leichte Bedeckung und einige Sonnenstrahlen erfreuen. Somit herrschten wettertechnisch die perfekten Festivalbedingungen, was sicherlich der gelösten Stimmung zuträglich war.
Mit beginnender Dämmerung spürte man, dass sich das Wochenende seinem Höhepunkt näherte. Die Wege zwischen den Bühnen füllten sich ein letztes Mal, viele wollten noch einmal alles mitnehmen, bevor sich das Festival langsam dem Ende zuneigte. Besonders die großen Acts rückten erneut in den Fokus, welche diesem Sonntag seinen besonderen Abschluss verleihen sollten. Antoon bewies einmal mehr, warum er aktuell zu den prägendsten Stimmen der niederländischen Szene zählt. Seine Songs wurden lautstark mitgesungen, die Crowd zeigte sich textsicher und voll involviert. Im Anschluss übernahmen Son Mieux und lieferten eine Performance, die sich durch Spielfreude, Groove und starke Bühnenpräsenz auszeichnete. Mit ihrem Mix aus Pop, Funk und Indie sorgten sie für zugängliche und leichte Feelgood-Momente.
Doch nicht nur die großen Namen, sondern auch alle Artists auf den kleineren Bühnen machten das Paaspop zu dem, was es war; immerhin sorgten über 350 Acts an diesem Wochenende für ein unvergessliches Festival. Dementsprechend verabschiedete sich das Paaspop Festival 2026 nicht mit einem einzelnen Knall, sondern mit einem vielschichtigen Finale, das genau das widerspiegelte, was die vergangenen Tage ausgemacht hatte. Über Ostern wurden wir Zeuge von drei Tagen voller Kontraste, Energie und Vielfalt, welche mit einem hochwertigen Qualitätsmerkmal versehen waren. Auch dieses Jahr machte das Paaspop den Start in die Festivalsaison 2026 perfekt. Übrigens gibt es nächstes Jahr die Jubiläumsausgabe zum fünfzigjährigen Bestehen – dafür lohnt sich eine Niederlande ganz bestimmt!
Fotocredit: Kevin Randy Emmers