Mit dem Paaspop Festival fiel auch 2026 wieder der Startschuss in die Festivalsaison. Am Karfreitag öffneten sich im niederländischen Schijndel die Tore zu einem der vielseitigsten Festivals Europas, das Jahr für Jahr tausende Besuchende anzieht und seit den 1970ern mit einem genreübergreifenden Line-up überzeugt. Bereits im Vorfeld unterstrich das Festival seinen Anspruch auch in diesem Jahr mit einer Mischung aus nationalen Größen und internationalen Highlights zu begeistern. Acts wie Kensington, Sean Paul oder die Gruppa Karl-Marx-Stadt standen exemplarisch für die enorme Bandbreite, die das Paaspop traditionell demonstriert. Schon zum Auftakt am Karfreitag zeigte sich das Festival von seiner besten Seite und machte nach Monaten ohne Open-Air-Erlebnisse wieder Lust auf den Festivalsommer.
Musikalisch startete der Freitag direkt intensiv und ohne Zweifel, in welche Richtung das Osterfestival, ohne lange Anlaufphasen, steuerte. Schon am Nachmittag füllte sich das Gelände zunehmend mit Menschen aller Alterssparten, die gehörig Vorfreude auf ein schönes Festival mitbrachten. Einen der ersten Akzente setzte dabei die belgische Rockband Triggerfinger, welche vor allem mit ihrem Cover von „I Follow Rivers“ 2012 internationale Bekanntheit generierten. Für einige mag dies ein Grund gewesen sein die Band in den eigenen Timetable zu übernehmen, doch zeigte das Trio schnell die Gründe zum Bleiben auf. Diese bestanden aus ordentlicher Lautstärke gepaart mit ihrem druckvollen, schweren Sound sowie brillanten Riffs. Trotz der mehr als zweijährigen Pause und dem Tod des langjährigen Bassisten Paul Van Bruystegem vergangenen Herbst präsentierte sich die Band routiniert. Auch ihre Bühnenpräsenz blieb unverändert stark und so schafften sie es schnell das Zelt auf ihre Seite zu ziehen. Dabei durfte die zuletzt erschienene Single „Stars“ natürlich nicht fehlen. Mit ihrem souveränen Auftritt taten die Belgier alles dafür sich für ihre anstehende „Stars“-Tour, die auch das Polimagie Festival in Dresden umfasst, zu empfehlen.
Neben den hervorragenden Performances der einzelnen Acts bestach jedoch das Gesamtbild auf ganzer Linie. Wenn man das Paaspop in einem Wort zusammenfassen müsste, wäre es Vielseitigkeit. Die Genregrenzen verschwammen und wurden heiter kombiniert, es gab zahllose Blickfänge abseits der Zeltbühnen und es wurde durchweg auf Abwechslung gesetzt. Während auf den großen Bühnen zunehmend Bewegung entstand, entwickelte sich die Qmusic Rooftop Bar immer wieder zu einem intimen Gegenpol. Im zweiten Stock wurden auf kleiner Fläche die großen Stars ganz nah für einige Glückliche gezeigt. Neben den bekannten Acts gab es zudem jeden Tag eine Überraschung. Ganz planmäßig standen am Freitagabend Kensington in der Rooftop, vor ihrem Auftritt auf der Mainstage, vor einigen Dutzenden Fans. Dabei schenkten sie dem Publikum einen besonderen akustischen Moment, der eine ganz andere Seite der Band unterstrich. Später auf der Apollo Stage sah dies ganz anders aus, da die größte Rockband der Niederlande die Menge vom ersten Song an komplett mitriss und nachhaltig begeisterte. Gerade diese Kombinationen aus Extremen machte das Paaspop immer wieder auf verschiedenen Ebenen reizvoll.
Ein ganz anderer typischer Paaspop-Moment entstand im Social Club. Hier konnte nicht nur in einem riesigen Zelt gespeist werden, sondern es wurde auch eine Bühne bereitet. Diese nutzte die aus Chemnitz stammende Gruppa Karl-Marx-Stadt, um mit ihren Instrumenten eine einzigartige Stimmung zu kreieren. Unter anderem mit Akkordeon und Saxofon bewaffnet gab es eine ungewohnte Mischung aus polnischen, deutschen, englischen und ukrainischen Worten. Dies erschuf ein kollektives Erlebnis zwischen Polonaise und Moshpit – Bierdusche inklusive. Der Spaß stand im Vordergrund, welcher sich in einer fantastischen Stimmung vor der Bühne niederschlug und allen Beteiligten sichtlich Freude bereitete. Dazu gab es diese leicht kuriosen, aber stets gefeierten Interpretationen in der einzigartigen Manier der Band. So konnte man zu „The Bad Touch“ oder „Чита Дрита“ den Spaß des Lebens haben. Genau diese unerwarteten Momente verliehen dem Paaspop Festival immer wieder seine ganz eigene Dynamik und Atmosphäre.
Mit zunehmender Dunkelheit verschob sich der Fokus deutlich hin zu den elektronischen Bühnen. Dadurch konnten insbesondere Acts im Desperados Warehouse, das Electro-Mekka des Festivals, punkten. Dazu zählte ebenfalls Mr. Hardstyle Brennan Heart. Dieser brachte die Essenz eines Festivalabends mit den einleitenden Worten seines Intro: „Put your fucking phones away, we came here to dance“ auf den Punkt. Das Publikum ließ den Worten Taten folgen und feierte sich bei feinstem Hardstyle durch die Nacht von Schijndel. Dem DJ stand die Freude buchstäblich ins Gesicht geschrieben und man sah, dass er Spaß an seiner Arbeit hatte. Durch die Interaktion des 44-jährigen mit dem Publikum konnte die Energie direkt übertragen werden und bei Klassikern wie „Fight for Something„, „Imaginary“ und „Lose my Mind“ förmlich explodieren. Wer die größte Party suchte war im Warehouse jederzeit bestens beraten.
Neben einer Vielzahl weiterer spannender Acts, schaute man indes gespannt zur Hauptbühne, die nun keinem Geringeren als der Dancehall-Ikone Sean Paul gebührte. Sein Auftritt setzte stärker auf seine bekannten Hits und Routine. Wenn man etwas weiter hinten stand bot sich damit die perfekte Gelegenheit die eigene Tanzparty zu starten. Hatte man die teils schon an Nostalgie grenzende Verbindung zu dem Weltstar nicht, war merklich, dass vor allem jüngere Generationen die übrigen Zelte aufsuchten. Hier konnten sie unter anderem Acts wie den Rapper Kevin oder den kroatischen ESC-Zweitplatzierten Baby Lasagna vorfinden, wessen Performances nicht gegensätzlicher hätten sein können. Dadurch blieb die Bewegung durch die Festivalstadt und Energie konstant hoch. Wer noch nicht genug hatte, fand sich auf der Aftershowparty wieder. Alle anderen freuten sich über einen gelungenen Festivalstart, der das in Deutschland mancher Orts herrschende Tanzverbot spielend leicht umging. Das Paaspop Festival 2026 zeigte sich zum Auftakt vielseitig, stark und mit noch jeder Menge Lust auf zwei weitere Tage.
Fotocredit: Kevin Randy Emmers