Manche Alben klopfen höflich an die Tür, andere treten sie ein. Und dann gibt es „Hell Is Here, Hell Is Home“. Wenn die Deathcore-Formation Bodysnatcher aus Melbourne, Florida, am 10. April 2026 ihr viertes Studioalbum entfesselt, bleibt kein Stein auf dem anderen. Nach der brachialen, von Will Putney produzierten EP „Vile Conduct“ (2024) kehrt das Quartett mit einer Intensität zurück, die den Begriff „Sperrfeuer“ neu definiert. Das Line-up um Kyle Medina, Kyle Carter, Kyle Shope und Chris Whited hat ein Werk geschaffen, das nicht nur persönliche Dämonen jagt, sondern der Welt einen blutigen Spiegel vorhält. Es ist die Vertonung einer moralisch verlorenen Gesellschaft – laut, intuitiv und absolut kompromisslos.
Zwischen persönlichem Trauma und globalem Abgrund
Bodysnatcher waren schon immer eine Band, die sich Schmerz und Tragödie entgegenstellt. Doch auf „Hell Is Here, Hell Is Home“ weitet sich der Blickwinkel. Das Album ist ein düsteres Abbild unserer aktuellen Dystopie. Schlagzeug-Größe Chris Whited bringt es auf den Punkt: Es geht um Vergeltung und darum, gegen eine Welt zurückzuschlagen, in der Menschen zu Monstern werden. Gitarren-Ass Kyle Carter ergänzt, dass wir es uns in der „Hölle“ bereits viel zu bequem gemacht haben. Diese Platte ist der Weckruf – eine Aufforderung, sich nicht länger beugen zu lassen.
Zehn Kapitel der Vernichtung: Ein Manifest der Härte
Das Album startet mit „The Maker“ wie ein bewaffneter Überfall. Nach den beklemmenden einleitenden Worten einer Frau über die Grausamkeit der Welt bricht ein Sturm aus Wut und schädelzertrümmernden Riffs los. Bassist Kyle Shope versprach „elektrisierende Energie“, und er behält recht: Der Song sprengt alle bisherigen Intensitäts-Skalen der Band und endet in einem Breakdown, der physisch spürbar ist. Nahtlos geht die Reise in das rasante „Writhe And Coil“ über. Hier dominiert ein mörderisches Tempo, das keine Zeit zum Atmen lässt. Maschinengewehr-Drums peitschen die tiefen, fast schon animalischen Shouts von Medina voran, bis das Tempo gegen Ende drastisch gedrosselt wird, um die Schwere des Finales zu betonen.
Mit „Plague Of Flies“ liefern Bodysnatcher Deathcore wie aus dem Lehrbuch: Ein rasanter Einstieg und ein Instrumental, das jeden Moshpit in ein Schlachtfeld verwandeln wird. Ein emotionaler Ankerpunkt ist „May Your Memory Rot“. Der Song verarbeitet tiefsitzenden Groll und Trauma über eine Person, die Schlagzeuger Chris Whited nahe gestanden hat. Das wütende „Fuck You“ geht durch Mark und Bein, doch inmitten des Giftes schwingt ein Funken Trost mit – Wut mit Absicht und Ziel.
Das Riff-Gewitter setzt sich in „Violent Obsession“ fort. Hier zeigt Medina die volle Bandbreite seiner stimmlichen Gewalt, während der Spannungsaufbau gegen Ende in einer Entladung gipfelt, die zum Headbangen einlädt, bis der Nacken schmerzt. Überraschend episch beginnt hingegen „No Savior“, bevor das gewohnt dreckige Schlagzeugspiel übernimmt. Die Gitarrenarbeit ist hier besonders pointiert und verleiht dem Song eine fast schon hymnische, wenn auch bösartige Note.
Die vorab veröffentlichte Single „Blade Between The Teeth“ präsentiert die Band in absoluter Höchstform – messerscharf und präzise, mit einem abrupten Ende, das einen sprachlos zurücklässt. Auch „Two Empty Caskets“ überzeugt durch eine enorme Sounddichte und eine Energie, die sich unmittelbar auf die Hörenden überträgt. Ein besonderes Highlight wartet bei „Survive Or Die“: Hardcore-Legende Scott Vogel (Terror) verleiht dem Song eine erfrischende Note und sorgt für willkommene Abwechslung im klassischen Deathcore-Gewand. Den finalen Schlag versetzt der Track „Hell Is Home“. Hier werden noch einmal alle Stärken gebündelt: Harte Riffs, rasendes Tempo und ein fast schon eklig harter Breakdown, der dem zukünftigen Livepublikum alles abverlangen wird, bevor das Album langsam und bedrohlich ausklingt.
Fazit
Bodysnatcher haben mit „Hell Is Here, Hell Is Home“ ein unglaublich reifes und nachhaltig beeindruckendes Werk abgeliefert. Die Platte ist wie für die Live-Bühne geschaffen und transportiert die düsteren, gesellschaftskritischen Themen mit einer beispiellosen Wucht. Auch wenn die Songs einer recht ähnlichen Struktur folgen, mindert dies die Qualität keineswegs – im Gegenteil! Es festigt den unverkennbaren Sound der Band. „Hell Is Here, Hell Is Home“ ist eines der spannendsten und stärksten Deathcore-Releases des Jahres. Wer extreme Musik liebt und ein Ventil für die eigene Wut sucht, kommt an diesem Brett nicht vorbei. Eine absolute Empfehlung für alle, die den Weltuntergang gerne lautstark begleiten möchten!
Fotocredit: Albumcover / Artwork