Dreckig, unerbittlich und tonnenschwer – wenn Bodysnatcher die Bühne betreten, bleibt kein Stein auf dem anderen. Die Könige des „Down-Tempo Deathcore“ aus Florida haben sich über die Jahre einen Ruf als eine der intensivsten Live-Bands der Szene erarbeitet. Doch hinter der massiven Wand aus Breakdowns und Growls steckt mehr als nur blinde Wut. Wir haben mit dem Gitarristen der Band, Kyle Carter, über die Evolution ihres Sounds, die kathartische Kraft des Hardcore und das logistische Chaos gesprochen, das entsteht, wenn drei Viertel der Band auf den Namen „Kyle“ hören.
Frontstage Magazine: Ihr habt die Messlatte für Brutalität von Anfang an extrem hoch gelegt und die Energie einiger Tracks als „elektrisierend“ beschrieben. Wie schafft ihr es nach drei Alben und mehreren EPs konsequent, euren Sound noch „härter“ und „dunkler“ zu machen, ohne die Kernidentität von Bodysnatcher zu verlieren?
Kyle Carter: Das ist immer unser Hauptziel: niemals nachzulassen und so heavy wie möglich zu sein, während wir die Sache für uns selbst interessant und unterhaltsam halten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, wie wir das anstellen, aber wir geben uns verdammt viel Mühe, haha.
Frontstage Magazine: Ihr habt erwähnt, dass die Band über die Jahre gereift ist und aus mehr Lebenserfahrung schöpft. Inwiefern unterscheidet sich euer heutiger Umgang mit Themen wie Verrat und Not von euren frühen Tagen während „Death of Me“ (2017)?
Kyle Carter: Die Band hat über Jahre hinweg ein ähnliches Thema beibehalten – den persönlichen Verrat, mit Songs über das Überwinden und Songs über Rache. Ich denke, wir sind einfach besser darin geworden, wie wir wollen, dass ein Song von einem größeren Publikum aufgenommen wird. Es geht weniger um einen ganz spezifischen Vorfall.
Frontstage Magazine: Eure früheren Arbeiten waren oft tief von persönlichen Tragödien geprägt. „Hell Is Here, Hell Is Home“ spiegelt nun auch die „aktuelle Dystopie“ der Welt wider. Gab es einen bestimmten Moment oder ein Ereignis in den letzten zwei Jahren, das diesen Fokuswechsel vom Persönlichen zum Globalen ausgelöst hat?
Kyle Carter: Wir haben unsere Texte immer in eine eher enge oder spezifische Richtung geschrieben. Dieses Mal wollten wir das ändern und es etwas breiter fächern, damit wir etwas sagen können, mit dem sich mehr Menschen identifizieren können – oder das sie auf ihre eigene Weise interpretieren und mit ihrer eigenen Lebenserfahrung vergleichen können.
Frontstage Magazine: Ihr habt unglaublich intensive und emotionale Songs. Wie schwierig ist es, solche privaten, toxischen Emotionen Nacht für Nacht auf der Bühne zu reproduzieren? Ist die Live-Performance eine Form von Katharsis und Heilung für euch, oder reißt sie die Wunden jedes Mal aufs Neue auf?
Kyle Carter: Für mich gibt es Songs, die wir spielen, die immer noch schwer zu bringen sind. Ich will nicht lügen: Manchmal habe ich für ein paar Sekunden einen Kloß im Hals. Ich denke, für uns alle ist der Auftritt unser Ventil, um unsere Energie und Emotionen physisch rauszulassen. Wir sind nicht gerade die offensten oder gesprächigsten Typen, wenn es um unsere Gefühle geht, daher ist es uns extrem wichtig, auf der Bühne zu stehen.
Frontstage Magazine: Nach eurer Zusammenarbeit mit Jamey Jasta habt ihr nun Scott Vogel von Terror mit ins Boot geholt. Wie wichtig ist es für euch, die Brücke zwischen Deathcore und den Hardcore-Wurzeln zu schlagen, die euch als Musiker so stark beeinflusst haben?
Kyle Carter: Für uns ist es extrem wichtig, den Hardcore-Aspekt nicht außen vor zu lassen. Wenn man genau hinhört, ist er ein riesiger Teil des Band-Sounds. Erst Jasta und jetzt Scott Vogel auf unseren Songs zu haben, war für uns definitiv ein Punkt auf der „Bucket List“.
Frontstage Magazine: Mit drei Bandmitgliedern namens Kyle und einem Chris – wie sieht ein typischer Soundcheck bei euch aus? Löst ein einfaches „Kyle, mach mal lauter!“ absolutes Chaos aus, oder habt ihr geheime Codenamen eingeführt (wie Kyle 1, 2 und 3), damit Chris genau weiß, wen er hinter dem Schlagzeug gerade ignorieren soll?
Kyle Carter: Ja, diese Frage bekommen wir oft gestellt! Wir rufen uns meistens bei den Nachnamen (Carter, Shope und Medina).
Fotocredit: Alyssa Moreau