Love Ghost liefern mit „Anarchy And Ashes“ ein fertiges Puzzle, welches sich aus verschiedensten Genres zusammensetzt. Musik für Menschen die nicht gerne in Schubladen greifen.
Hinter dem Projekt steckt Finnegan Seeker Bell, der das Ganze weniger als klassische Band, sondern eher als offenes Spielfeld versteht. Alternative Rock, Grunge, Metal, Pop-Punk, Industrial – alles darf, nichts muss. Das klingt erstmal nach Überforderung, funktioniert hier aber erstaunlich gut.
Schon früh im Album wird klar, wohin die Reise geht. Nach dem Intro-haften „Revolution Evolution“, bekommt man mit „Vengeance“ genau diese Art von Song, die man sich irgendwo zwischen Festivalbühne und verschwitztem Club vorstellen kann. Große Riffs, Screams, die nicht auf Perfektion, sondern auf Wirkung zielen, und ein Refrain, der sich förmlich danach sehnt, von einer Menge zurückgeschrien zu werden.
Spannend wird es immer dann, wenn die Band ihre Industrial-Einflüsse stärker in den Vordergrund rückt. Die Neuinterpretation von „Rock Me Amadeus“ ist dafür das beste Beispiel. Was im Original noch charmant-verspielt war, wird hier zu einem düsteren, fast schon bedrohlichen Track. Als Referenz kommt einem da ganz klar Schock-Rocker Marylin Manson in den Sinn. Und da liegt man auch nicht verkehrt mit, den ein Blick in die Credits belegt, man teilst sich den gleichen Produzenten.
Der vielleicht interessanteste Moment der Platte ist aber „Silk Noose“. Ein Song, der sich deutlich vom Rest abhebt. Weniger brachial, dafür atmosphärischer, fast schon clubbig. Inhaltlich geht es um die Ablehnung von Oberflächlichkeit und Materialismus – musikalisch klingt das wie ein dunkler Spaziergang durch einen Gothic-Club um drei Uhr morgens. Genau hier zeigt sich, dass Love Ghost mehr können als nur „laut“.
Und trotzdem: „Anarchy And Ashes“ ist kein perfektes Album. Man merkt stellenweise, dass hier sehr viele Ideen gleichzeitig verarbeitet werden. Nicht jeder Song zündet gleich stark, nicht jede stilistische Abzweigung fühlt sich komplett zu Ende gedacht an. Aber vielleicht ist genau das auch Teil des Konzepts. Ohnehin ist es in meinen Ohren eher eine EP, schließlich bekommt man „Rock Me Amadeus“ und „Vengeance“ direkt doppelt in unterschiedlichen Versionen serviert. Und mit sieben Tracks ist es zwar kurzweilig, aber auch einfach schnell durchgehört.
Love Ghost klingen nicht wie eine Band, die sich festlegen will. Sondern wie eine, die ausprobiert, austestet, Grenzen verschiebt – und dabei auch in Kauf nimmt, dass es nicht immer ganz sauber ist. Das ist durchaus erfrischend und sticht somit aus einem glatt produzierten Einheitsbrei heraus.
Love Ghost Live 2026:
Do 2.4. Wien | Arena (AT)
Sa 4.4. Leitersdorf | Roter Gugl (AT)
So 5.4. Cham | Live Style Cafe (DE)
Mi 8.4. Hannover | Perle Linden (DE)
Do 9.4. Warschau | VooDoo (PL)
Fr 10.4. Dresden | Puschkin (DE)
Sa 11.4. Flensburg | Kühlhaus (DE) – Präsentiert von uns dem Frontstage Magazine
So 12.4. Berlin | LARK (DE)
Mi 15.4. Hamburg | Hafenklang (DE)
Do 16.4. Dortmund | Junkyard (DE)
Fr 17.4. Moers | Bollwerk (DE)
So 19.4. Frankfurt | Ponyhof (DE)
Mo 20.4. Bamberg | Live Club (DE)
Do 23.4. Konstanz | Kulturladen (DE)
Fr 24.4. Rohrschach | Treppenhaus (DE)
Fr 25.4. Offenburg | Spitalkeller (DE)
Do 30.4. London | New Cross Inn (UK)
Fr 1.5. Manchester | Lion`s Den (UK)
Fotocredit: Abe Paraiso