Nach einer vierjährigen Veröffentlichungspause räumen die Metal-Schwergewichte aus Virginia mit sämtlichen Rentengerüchten auf. Am 13. März 2026 katapultieren Lamb Of God via Century Media ihr neuestes Werk „Into Oblivion“ in die Gehörgänge der Welt. Unter der vertrauten Federführung von Sound-Architekt Josh Wilbur ist eine Platte entstanden, die vor Selbstbewusstsein strotzt. Laut Gitarrist Mark Morton scherte sich das Quintett beim Songwriting keinen Deut um aktuelle Strömungen und Trends – eine Attitüde, die in jeder Note mitschwingt.
Ein starker Auftakt
Der Vorhang hebt sich mit der bereits ausgekoppelten Titelnummer: Ein gewaltiger Vorstoß, geprägt von wirren Riffs, einem Randy Blythe in Höchstform und dem unerbittlichen Drum-Feuerwerk eines Art Cruz. Ohne Atempause mündet das Geschehen in „Parasocial Christ“. Das Stück fungiert als deutlich rasanterer Kontrastpunkt zum modernen Technik-Wahn, überrascht jedoch im Ausklang mit filigranen Gitarren-Texturen, die eine beinahe geisterhafte Aura heraufbeschwören.
In „Sepsis“ verneigt sich die Truppe vor ihren Anfängen im Underground. Sänger Randy Blythe liefert hier eine stimmliche Achterbahnfahrt ab, die von tiefen Growls bis hin zu fast schon melodischen Passagen reicht, während er lyrisch den allseits gefürchteten Tod seziert. Ein brutaler Rhythmuswechsel katapultiert den Hörer dabei unvermittelt aus der Traurigkeit zurück in die Realität. Ein Song, der wie für die Livebühne gemacht ist!
Nicht weniger druckvoll präsentiert sich „The Killing Floor“. Das Stück ist ein Musterbeispiel in Sachen Groove-Metal: In diesem Track schrauben Schlagzeug und Gitarre die Intensität kontinuierlich nach oben, bis sich alles in einem monumentalen Breakdown entlädt. Hier kommen wirklich alle auf ihre Kosten.
Zwischen Stille und Sturm
Einen unerwarteten Moment der Ruhe bietet „El Vacío“. Der Track verzichtet auf die übliche Aggression und setzt stattdessen auf ein finsteres Stimmungsbild – ein seltener Ruhepol im Lärmgewitter. Doch die Erholung währt nur kurz: „St. Catherine’s Wheel“ bricht kurz darauf wie ein starkes Gewitter über die Hörerschaft herein.
Richtig hart wird es bei „Blunt Force Blues“, das mit einer großen Portion Retro-Attitüde, Megafon-Durchsagen und einer meisterlichen Gesangsleistung punktet. In dieselbe Kerbe schlägt auch „Bully“, das vor purer Wut und Geschwindigkeit nur so strotzt.
Lamb Of God gelingt ein großartiges Finale
Kurz vor Schluss wagen Lamb Of God noch ein Experiment: „A Thousand Years“ bricht mit den oftmals einseitigen Songstrukturen und kombiniert brachiale Gewalt mit Sprechgesang-Einlagen, nur um dann völlig unvermittelt zu verstummen. Den Sack zu macht schließlich „Devise / Destroy“. Ein kurzes Täuschungsmanöver in Richtung Rock-Ballade entpuppt sich alsbald als klassischer Abrissbirnen-Metal, der zweifellos jeden Festival-Acker ins Chaos stürzen wird.
Fazit
„Into Oblivion“ präsentiert eine Band, die ihr Handwerk perfektioniert hat und sich den Luxus gönnt, komplett ohne Gastbeiträge auszukommen. Wer auf der Suche nach Neuerfindungen ist, mag eventuell die letzte Nuance an Innovation vermissen, doch in Sachen Spielfreude und Durchschlagskraft macht den Richmond-Veteranen so schnell niemand etwas vor. Ein Pflichtkauf für die Fanbase und eine Machtdemonstration für die kommende Tour-Saison.
Passend zum Album-Release werden Lamb Of God in diesem Sommer hierzulande neben den üblichen Festivalauftritten eine exklusive Headline-Show spielen:
Lamb Of God – Europe 2026
Special Guests:
Thy Art Is Murder, Bleed From Within & Fit For An Autopsy
03.08.2026 – Leipzig, Haus Auensee
Fotocredit: Albumcover / Artwork