Drei Jahrzehnte Bandgeschichte liegen hinter Kapelle Petra – drei Jahrzehnte voller kleiner Bühnen, großer Momente, absurder Tourgeschichten und einer stetigen Entwicklung zwischen Humor, Haltung und musikalischer Eigenständigkeit. Vom Jugendzentrum bis zur Westfalenhalle, von DIY-Konzerten bis zu ausverkauften Shows: Die Band hat ihren eigenen Weg konsequent verfolgt, ohne sich dabei zu verbiegen. Mit dem Jubiläum und dem aktuellen Best-of-Album „Lübbe.“ blickt die Band nicht nur zurück, sondern auch nach vorne. Im Interview mit uns sprechen Kapelle Petra über ihre Anfangstage zwischen Opel-Omega-Touren und Isomatten-Übernachtungen, über die Balance zwischen Nostalgie und Neugier sowie darüber, warum Humor und klare Haltung heute wichtiger sind denn je.
Frontstage Magazine: 30 Jahre Kapelle Petra – ihr habt angefangen, als es noch die D-Mark gab und man in Kneipen rauchen durfte. Was aus euren Anfangstagen fühlt sich heute völlig surreal an, wenn ihr darauf zurückblickt?
Kapelle Petra: Für eine Kiste Bier mit überladenem Opel Omega 500km zu einem Auftritt zu fahren, mit späterer Übernachtung auf Isomatten in einem ausgekühlten Mehrzwecksaal.
Frontstage Magazine: Wenn ihr eure Bandgeschichte in drei Songs aus dem „Lübbe.“-Album erzählen müsstet: Welche wären das – und warum genau diese?
Kapelle Petra: Geburtstag: Ein Song aus unserer Gründungszeit… Das Lied ging damals ziemlich viral und hat uns viele Türen geöffnet – uns aber gleichzeitig auch in die Schublade „Klamauk“ gesteckt… Wir waren halt in der ersten Hälfte unserer Kapellengeschichte, die alberne Band mit „Geburtstag“.
An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen: Ist ein bisschen unsere Grundeinstellung seit 30 Jahren – uns selbst- und andere Dinge nicht zu ernst zu nehmen und das Beste aus unserer Zeit zu machen. Der Friedensvertrag mit der Leichtigkeit. Keine Lieder für böse Menschen: In unserer Bandgeschichte war es noch nie so wichtig wie heute, Haltung zu zeigen und klar Stellung zu beziehen, dass Hass und Hetze in unserer Demokratie und Gesellschaft niemals einen geduldeten Platz haben dürfen. Wer eine Stimme hat, sollte das gerade jetzt immer laut wiederholen.
Frontstage Magazine: Viele Bands werden mit den Jahren entweder nostalgisch oder berechenbar. Wie schafft ihr es, nach drei Jahrzehnten immer noch neugierig auf euch selbst zu bleiben?
Kapelle Petra: Auch wir sind ja mittlerweile nostalgisch und manchmal berechenbarer geworden. Je älter man wird, desto mehr Dinge gibt es halt, auf die man zurückblicken und erzählen kann. Es fühlt sich gut an, mit der Zeit seinen eigenen Sound und seine eigene Haltung gefunden zu haben, und dann macht es auch Spaß, sich auf dieser Basis auf neue Gedanken einzulassen – somit ist es eher ein natürlicher Prozess bzw. ungeplante Evolution.
Frontstage Magazine: Ihr habt vom Jugendzentrum bis zur Westfalenhalle alles gespielt. Gibt es eine Bühne oder einen Moment, der für euch symbolisch für diesen 30-jährigen Weg steht?
Kapelle Petra: In der Corona-Zeit haben wir 20-Minütige Mini-Konzerte gegeben. Wir sind da mit unserem Bus vor die Haustüren gefahren und haben gute Laune in eine graue Zeit gebracht. Das fühlte sich verdammt gut an. Fürs Glück braucht es nicht die großen Bühnen – sondern die richtigen Momente.
Frontstage Magazine: Kapelle Petra steht für Humor, aber auch für Haltung. Glaubt ihr, dass man heute andere Dinge witzig, kritisch oder provokant sagen muss als vor 30 Jahren – oder hat sich der Kern gar nicht so sehr verändert?
Kapelle Petra: Sprache und Humor verändern und entwickeln sich. Das war schon immer so und ist auch gut so. Manchmal wundere ich mich sehr, was ich in den 90ern witzig fand. Dementsprechend ist passender Humor fast immer fest mit der Gegenwart verbunden. Im Kern steckt aber immer der Wunsch nach Fröhlichkeit.
Ähnlich ist es mit der Haltung. Die ändert und entwickelt sich. Sollte aber immer einen wertebasierten Kern haben.
Frontstage Magazine: Wenn ihr euch selbst von 1996 kurz treffen könntet: Was würdet ihr der jungen Version von Kapelle Petra über die nächsten 30 Jahre sagen – und wovor würdet ihr sie warnen?
Kapelle Petra: Macht das, worauf ihr wirklich Lust habt! Probiert alles aus! Macht Erfolg nicht abhängig von Verkaufs- und Streamingzahlen, sondern davon, dass es sich gut anfühlt.
Ach … und gebt euch Mühe bei der Suche nach einem vernünftigen Bandnamen! Wir hätten damals nicht gedacht, dass aus einer Schnapsidee ein Lebensprojekt wird. Jetzt stehen wir da mit „Kapelle Petra“.
Kapelle Petra Live:
12.03.2026 – Muffathalle, München
13.03.2026 – Batschkapp, Frankfurt
14.03.2026 – Im Wizemann (Halle), Stuttgart
26.03.2026 – Carlswerk Victoria, Köln
27.03.2026 – Skaters Palace, Münster
28.03.2026 – Columbia Theater, Berlin
25.07.2026 – kAPEll30 SOMMA, Hamm
27.11.2026 – Täubchenthal,Leipzig
28.11.2026 – Botschaft, Osnabrück
04.12.2026 – Z-Bau, Nürnberg
05.12.2026 – Schlachthof, Wiesbaden
11.12.2026 – Gruenspan, Hamburg
19.12.2026 – Wesfalenhalle 2, Dortmund
Fotocredit: Marcel Strecker
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