Am 27. Februar 2026 erscheint das dritte Album von Twin Noir – und es führt die kompromisslose analoge Ästhetik des Duos konsequent weiter, während sich gleichzeitig neue klangliche Spannungsräume öffnen. Zwischen Bandmaschinen, Samplern und Theremin entsteht ein Sound, der Clubkultur, Post-Punk-Attitüde und elektronische Körperlichkeit miteinander verschmelzen lässt. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine sprechen Ian und Cody über kreativen Verzicht, intuitives Arbeiten und die Vision hinter „Chapter III“.
Frontstage Magazine: Euer drittes Album erscheint am 27.02.2026 und führt eure analoge Ästhetik konsequent weiter, öffnet den Sound aber gleichzeitig für neue Spannungsräume. Was war der zentrale kreative Ausgangspunkt für diese Platte?
Ian: Ja, wir lieben einfach analoges Zeug. Effektgeräte, alte Tape Machines, Drumcomputer und all das. Wir versuchen in der Produktion so weit wie möglich auf Computer zu verzichten. Auch das Coverfoto haben wir mit einer analogen Kleinbildkamera fotografiert, um diese Ästhetik im gesamten Layout fortzuführen.
Cody: Inzwischen ist es für uns auch ein künstlerisches Stilmittel geworden, bewusst zu verzichten und reduziert zu arbeiten. Alles, was man hört, kommt direkt aus dem Inneren auf das Band. Unsere Umwelt resoniert ständig mit uns und hält uns dabei ganz schön auf Trab.
Frontstage Magazine: Ihr beschreibt das neue Album als Balance zwischen clubtauglicher Präzision und experimenteller Weite. Wie sah dieser Spagat konkret im Studio aus – eher kontrolliertes Sounddesign oder bewusstes Loslassen?
Ian: Das passiert bei uns alles sehr automatisch und intuitiv, ohne großes Nachdenken. Wir arbeiten extrem spontan und spielen uns die Ideen gegenseitig zu, solange bis wir das Ergebnis wirklich lieben.
Cody: Twin Noir bedeutet immer Loslassen. Jeder Song ist ein Sprung ins Unbekannte, ohne zu wissen, ob der Fallschirm tatsächlich aufgeht. Wir begeben uns ganz bewusst in diese Gefahr. Wir wollen nicht gefällig sein, uns nicht anpassen und erst recht nichts kopieren – das hat für uns keinen Reiz. Auf „Chapter III“ wurden alle Songs mit denselben Instrumenten eingespielt, ohne Effekthascherei. Bewusstes und gemeinsames Loslassen macht stark und das kommt auf diesem Album noch viel mehr zum Vorschein, auch wenn es nicht kontrolliert ist. Bei den Aufnahmen passieren Dinge, die man nicht in der Hand hat, und das ist auch gut so. Diese Geschenke nehmen wir immer gerne an.
Frontstage Magazine: Über die Jahre habt ihr euren Sound stetig weiterentwickelt – von den ersten DIY-Produktionen bis zu „2 Punks and a Tape Machine – Chapter II“. Inwiefern markiert das neue Album für euch einen künstlerischen Wendepunkt?
Ian: Wir haben uns über die Jahre eine immer größere Bandbreite, mehr Know-how und künstlerische Möglichkeiten erarbeitet, auf die wir bei der neuen Platte zurückgreifen konnten. Von diesem Standpunkt aus hatten wir die Freiheit, neue Sounds und Ideen auszuprobieren und weiterzuentwickeln.
Cody: „Chapter III“ ist kein künstlerischer Wendepunkt, sondern die konsequente Fortsetzung unseres selbst erschaffenen Universums. Die eigentliche Challenge besteht darin, das Raumschiff Twin Noir dauerhaft mit Energie zu versorgen. Wohin unsere Reise letztendlich führt, ist völlig offen. Eine Sache ist dennoch sehr wichtig: sich selbst und seiner Vision treu zu bleiben und alles hineinzulegen, damit es genauso kraftvoll und schön wird, wie wir es uns erhoffen.
Frontstage Magazine: Analoge Elemente wie Bandmaschine, Sampler und Theremin sind weiterhin prägend für euren Klang. Welche Rolle spielt diese bewusst „unperfekte“ Produktionsweise für die emotionale Wirkung der neuen Songs?
Ian: Computerprogramme bieten heute unzählige Effekte an, die digitale Aufnahmen analog klingen lassen oder diese typischen Zufälle simulieren sollen. Trotzdem ist das Endergebnis für uns meist überzeugender, wenn wir direkt an Hardwaregeräten arbeiten. Dort passieren einfach andere, teils unerwartete Dinge. Cody und ich zelebrieren es regelrecht, an diesen Geräten zu experimentieren und den Moment einzufangen.
Cody: Wenn etwas mit uns spricht – ein Effekt oder ein Instrument, das eine bestimmte Stimmung erzeugt – dann geht im Hause Twin Noir das Licht an. Wir haben beide gelernt, im Entstehungsprozess genau hinzuhören und solchen Momenten Raum zu geben. Viele dieser Sounds werden von Klassikern oder deren Emulationen wiedergegeben, deshalb verändert sich unser Werkzeugkasten ständig. Meist merken wir sehr schnell, ob etwas wirklich passt oder nicht.
Frontstage Magazine: Eure Musik bewegt sich traditionell zwischen Clubkultur, Post-Punk-Attitüde und elektronischer Körperlichkeit. Welche Themen oder Stimmungen stehen auf dem neuen Album inhaltlich im Mittelpunkt?
Ian: Ich glaube, was das neue Album von den beiden davor unterscheidet, ist, dass die Texte nicht mehr ganz so viel Satire und Punk in sich tragen, sondern ernster und melancholischer ausgefallen sind. Auch die musikalische Tiefe der Songs ist diesmal schwermütiger, zugleich aber unglaublich kraftvoll, weit und stark geworden.
Cody: Dem kann ich nur zustimmen. Es sind definitiv neue Weiten und Räume entstanden, die dem Album eine zusätzliche Ebene verleihen, die wir so zuvor noch nicht hatten. Der Sound trägt einen regelrecht davon und erzeugt Bilder im Kopf.
Frontstage Magazine: Mit der Veröffentlichung des Albums und der neuen Partnerschaft mit Odyssey Music Network beginnt für euch ein weiteres Kapitel. Welche Vision habt ihr für die nächsten Jahre – musikalisch, visuell und live?
Cody: Wir stehen am Anfang eines neuen Kapitels. Großartige Konzerte und neue wunderbare Werke und Ideen, die das Licht der Welt erblicken. Es ist sehr aufregend und unglaublich schön, diese Reise anzutreten und all das Erlebte mit unserem Publikum teilen zu dürfen. Live wird man spüren, wie viel Emotion in diesen Songs steckt. I love it.
Ian: Ich persönlich schaue gar nicht mehr allzu weit nach vorne, sondern freue mich erst einmal auf das, was aktuell vor uns liegt: die anstehenden Shows zu spielen und an neuer Musik und Kunst zu arbeiten. Ich glaube, der gesamte Prozess ist die eigentliche Vision.
Fotocredit: Alina Bakiev