Mit „Bis jetzt ging alles gut“ legen Blaufuchs ihr zweites Album vor und positionieren sich damit deutlich neu innerhalb ihres eigenen Kosmos. Während das Debüt noch stark von jugendlicher Energie, klassischem Pop-Punk-Drive und einer gewissen Unmittelbarkeit geprägt war, wirkt das aktuelle Werk wie ein bewusster Bruch mit genau dieser Anfangsphase. Die Band klingt weniger nach Szene, dafür mehr nach Haltung – persönlicher, reflektierter und spürbar geerdeter.
Im direkten Vergleich zum Erstling zeigt sich vor allem eine inhaltliche Verschiebung. Wo frühere Veröffentlichungen noch stark aus dem Bauch heraus funktionierten, ist „Bis jetzt ging alles gut“ deutlich stärker kopflastig und analytisch. Die Texte – konsequent gegendert gedacht – kreisen um Verantwortung, gesellschaftliche Spannungen und individuelle Selbstverortung in einer zunehmend komplexen Realität. Die Band schreibt nicht mehr aus der Perspektive des Aufbruchs, sondern aus der des Innehaltens. Das Album fühlt sich weniger wie ein Befreiungsschlag an, sondern eher wie eine Bestandsaufnahme.
Auch musikalisch ist eine Reifung hörbar. Der nordamerikanisch geprägte Pop-Punk-Sound bleibt zwar Fundament, wird aber durch differenziertere Arrangements und eine insgesamt ruhigere Dramaturgie erweitert. Die Songs wirken weniger auf unmittelbare Energie getrimmt, sondern auf langfristige Wirkung. Statt einfacher Hooklines setzen Blaufuchs verstärkt auf Spannungsbögen, Nuancen und Zwischentöne. Das Album entfaltet sich dadurch langsamer, verlangt mehr Aufmerksamkeit, belohnt diese aber mit Tiefe und Atmosphäre.
Verglichen mit älteren Releases der Band ist „Bis jetzt ging alles gut“ weniger eingängig, aber dafür nachhaltiger. Es fehlt stellenweise die unbeschwerte Leichtigkeit früherer Tage, doch genau dieser Verzicht wirkt bewusst und inhaltlich konsequent. Die Band scheint nicht mehr daran interessiert, ausschließlich zu unterhalten, sondern will diskutieren, spiegeln und konfrontieren. Das macht das Album weniger tauglich für schnelle Playlists, aber umso stärker als geschlossenes Werk.
Insgesamt zeigt sich die Jungs auf ihrem zweiten Album als gereifter Act, der seine eigene Entwicklung ernst nimmt und sich nicht vor unbequemen Themen scheut. „Bis jetzt ging alles gut“ ist keine Platte, die sofort zündet – sie wächst. Und genau darin liegt ihre größte Stärke: als ehrliches, unbequemes und zugleich sehr menschliches Statement einer Band, die sich hörbar weiterentwickelt hat, ohne ihre Wurzeln zu verleugnen.
Wir vom Frontstage Magazine präsentieren euch die Tour von Blaufuchs in Zusammenarbeit mit Uncle M.
Blaufuchs 2026:
27.02.26 DE – Düsseldorf – Ratinger Hof
28.02.26 DE – Frankfurt – Ponyhof
07.03.26 DE – Würzburg – B-Hof
13.03.26 DE – Bremen – Zollkantine
14.03.26 DE – Oberhausen – Drucktluft
27.03.26 DE – Berlin – Schokoladen
28.03.26 DE – Hannover – Lux
Fotocredit: Tim Albrecht