Nach dem Debütalbum „Für immer ich“ (2021) und der „Schwärmer“ EP (2023), erscheint heute am 23.01.2026 Oskars Ichs neues Album „Toska“ auf dem Berliner DIY-Micro-Label Froh & Munter Records.
Das neue Album von Frank Balzer, alias Oskar Ich, wird als Kleinstauflage von 25 Stück als CD mit handgefertigtem Booklet im Comicformat bei Froh & Munter Records sowie als Stream (alle Plattformen) und als Download auf Bandcamp erhältlich sein.
Dies ist die zweite Veröffentlichung von Oskar auf dem kleinen Berliner Kassetten- und CD-Label. Schon bei der ersten Veröffentlichung ging es in der Zusammenarbeit nicht einfach nur um die Produktion von Musik und Tonträgern. Dem Ein-Mensch-DIY-Label von Claudius Loik und Oskar Ich lag dabei vielmehr eine geteilte Leidenschaft zugrunde. Gemeinsam ist den beiden die Vorliebe für eher skurrile, eigentümliche Klänge, die musikalisch grob dem Genre des deutschen Indie Pop zugeordnet werden können. Das hat also gepasst. Und so ist – nach und nach – für die beiden zugezogenen Berliner aus der gemeinsamen Arbeit am musikalischen Projekt auch eine persönliche Freundschaft geworden.
Inhaltlicher roter Faden von „Toska“ ist eine Weltfluchtssehnsucht. Zentrale Themen sind Rückzug und Resignation, das Abdriften in Traumwelten oder auch gezielte Selbstbetäubung: der Rausch als Ausweg. Oskar macht hier zum Teil auch eine politische Ebene auf, die versucht, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen und in einen persönlichen Zusammenhang zu bringen. Dabei bleibt Oskar Ich bewusst undogmatisch und geht eher verspielt und poetisch an die genannten Themen heran.
In einem Wort zusammengefasst, geht es bei „Toska“ um „Toska“ [тоска/ˈtoskə]. Nein, nicht die Oper. Das russische Wort „Toska“ ist gemeint, welches sich vereinfacht als „Verzweiflung“ übersetzen lässt. Für Oskar markiert der Begriff prägnant die Vielschichtigkeit einer diffusen Melancholie, welche den hier vorliegenden Songtexten zugrunde liegt. Der Schriftsteller Vladimir Nabokov hatte folgende Beschreibung für dieses Wort:
„In seinen tiefsten und schmerzhaftesten Phasen ist es ein Gefühl von großer geistiger Qual, oft ohne spezifischen Grund. In weniger starkem Maße ist es ein dumpfer Schmerz in der Seele, eine Sehnsucht nach etwas, ohne zu wissen wonach, ein krank machendes Verlangen, eine unbestimmte Rastlosigkeit, ein mentales Leid. In konkreten Fällen kann es der Wunsch nach etwas Bestimmtem sein, aber auch Nostalgie oder Liebeskummer. In geringerem Ausmaß kann es auch einfach nur Langeweile sein.“
Ohne direkt auf Nabokov Bezug zu nehmen, zielen die Songs von „Toska“ auf ein Driften auf dem hier beschriebenen Spektrum ab. Es geht um ein Hin-und-her-Schwanken auf einer Ohnmachtsskala, die – vor dem Hintergrund einer zerbrechenden Welt- und Wertegemeinschaft – immer mehr in den Vordergrund tritt. Dabei sind die Texte aber nie verbittert oder irgendwie todernst gemeint. Ein gewisser Humor und auch Ironie, gemischt mit Zitaten und Zitatverfremdungen, lockern die Grundhaltung auf und lassen genug Raum, um Gedankenbilder wachsen zu lassen. Dass hier auf eine russische Vokabel zurückgegriffen wird, soll auch eine gewisse Verbundenheit mit den geschundenen, ohnmächtigen Menschen in diesem Land ausdrücken, welche von innen wie von außen keine Hilfe zu erwarten haben und so ihr Dasein in einem – wenn man das so nennen möchte – „toskaesken“ Zustand fristen.
Das Album findet ihr z.B. hier.
Fotocredit: Christian Vagt
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