Allein der klangvollen Name Cala Mijas weckt große Erwartungen: 2022 fand die Premiere des 3-tägigen Festivals in Sonora Mijas statt. An der Sonnenküste im Süden Spaniens, idyllisch zwischen Marbella und Malaga gelegen, hat das Cala Mijas direkt 50.000 Besucher angelockt.
Neben der so genannten B-Corp-Zertifizierung, die ihm die Einhaltung hoher Standards in Bezug auf soziale und ökologische Leistungen, Transparenz und Unternehmensverantwortung bescheinigt, hat es bei den Iberian Festival Awards im März letzten Jahres dann auch gleich zwei Preise eingeheimst – für das beste neue Festival und für die beste internationale Live-Performance der Arctic Monkeys.
Die Messlatte für die Fortsetzung in diesem Jahr vom 31.8. bis 2.9.23 war somit durchaus hoch, aber mit Acts wie Arcade Fire, Foals, IDLES, Moderat, Siouxsie, The Strokes, Amyl And The Sniffers, Florence + The Machine, Metronomy und José González absolut vielversprechend.
Wir reisen am Donnerstag an um pünktlich zu Siouxsie am Start zu sein. Begleitet von strahlendem Sonnenschein konnten wir durch den Regenbogen-Eingang auf das 110.000 Quadratmeter große Festival Gelände schreiten, der bei vielen Festivalbesuchern als dankbare Instagram-Kulisse herhalten musste.

Es gibt insgesamt vier Festivalbühnen – Sunrise, Victoria, Sunset und La Caleta – alle schnell erreichbar trotz der angenehmen Weitläufigkeit des Festivals.
Auf der Sunrise-Bühne steht dann auch schon Siouxsie Sioux, ihres Zeichens Punk-Diva und einen der einflussreichsten Post-Punk- und Dark-Wave Künstler*innen überhaupt. Selbst Arcade Fire Sänger Win Butler huldigt einige Stunden später während des eigenen Auftritts die „britische Legende“. Zurecht – kann man nach ihrem Gig nur begeistert zustimmen. In einem türkisfarbenen, wallenden Overall liefert die mittlerweile 66-jährige eine energiegeladene Show, die ihresgleichen sucht: Ein wildes Potpourri durch die Siouxsie And The Banshees– Bandgeschichte garniert mit ein paar Songs ihres 2007 erschienenen Soloalbums „Mantaray“ perfekt abgestimmt auf die Bühnen Visuals.

Beinahe kitschig zeigt sich der hell strahlende Vollmond als perfekte Festivalkulisse pünktlich ab Sonnenuntergang. Auch bei den Bands bleibt die cheesy Kulisse nicht unentdeckt und wird u.a. von Baxter Dury erwähnt. Der britische Musiker und Indie-Pop Sänger ist der Sohn von Ian Dury, der mit seiner Band Ian Dury and the Blockheads mit Hits wie „Sex and Drugs and Rock’n’Roll“ und „Hit Me With Your Rhythm Stick“ zu den Pionieren der New Wave-Szene zählte. Vom brandneuen „I Thought I Was Better Than You“ bis hin zu Klassikern wie „Cocaine Man“ – alle Songs performt Dury mit Band in seiner ganz eigenen Mischung aus schnoddrigen Spoken-Word und Crooner-Raps gepaart mit catchy Melodien. Mit astreinem Cockney Akzent bedankt er sich in seiner charmant-theatralisch Art bei den Besuchern mit folgenden Worten: „I owe you Spain – from my eyebrows till the top of the mountains“.

Direkt nach Baxter Dury geht es weiter mit einer gewohnt perfekten Hit-Show von Arcade Fire, gefolgt von der Post Hardcore Formation Idles, die um Frontmann und Rampensau Joe Talbot dem Titel ihres zweiten Idles-Album „Joy as an act of Resistance“ während ihrer Auftritts alle Ehre erweisen. Foals, die im Anschluss spielen, haben es da schwer das Publikum nochmal so intensiv mitzureißen, was aber auch der fortgeschrittenen Uhrzeit geschuldet sein mag. Um kurz nach 3 Uhr morgens gibt es dann mit der Berliner Elektro Urgesteinen von Moderat den krönenden Abschluss des ersten Festivaltages. Und noch ganz beseelt von dem Abschlusstrack Bad Kingdom wird man durch den Cala Mijas Regenbogen hinaus in die Nacht bzw. den Morgen getragen …
Fazit: Mit mehr als 100.000 Besuchern aus mehr als 50 Ländern war das diesjährige Cala Mijas noch erfolgreicher als die erste Ausgabe und man darf jetzt schon gespannt sein, was das Lineup für 2024 an Indie und sonstigen Perlen bereit hält.

Review: Katharina Försch
Titelbild: Oscar L Tejeda