Das neue Muff Potter-Album „Bei aller Liebe“ ist das erste Album der Band seit 2009 und erschien bereits am 26. August 2022. Wir wollten trotzdem einmal für euch reinschauen und hören, was Muff Potter 13 Jahre später noch immer zu bieten haben. Wie unser Urteil ausfällt, das erfahrt ihr nun in unserer Teamreview.
Janina: Knapp 13 Jahre nach dem letzten Studioalbum „Gute Aussicht“, haben sich Muff Potter jetzt mit „Bei aller Liebe“ zurück gemeldet. Der Opener „Killer“ startet mir schwermütigen Gitarren und tiefgehenden Lyrics. Damit geben die Herren allerdings noch nicht den Grundton fürs Album vor. „Bei aller Liebe“ schwebt zwischen tiefer Schwermut und einer „Scheiß drauf“-Attitüde. Insbesondere „Ich will nicht mehr mein Sklave sein“ reißt mit und ist einer der stärksten Stücke des Albums. Der Song „Der einzige Grund aus dem Haus zu gehen“ hätte auch gut zu Tomte gepasst , da mich der ganze Aufbau des Liedes stark an die alte Band von Thees Uhlmann hat denken lassen. Mit „Bei aller Liebe“ zeigen Muff Potter, dass das letzte Jahrzehnt ihnen nichts anhaben konnte und sie dort anknüpfen können, wo sie aufgehört haben und nichts von ihrem alten Charme eingebüßt haben. (7–7–7)
Kevin: 13 Jahre später stehen jetzt zehn Songs auf 46 Minuten für Muff Potter auf dem Zettel. Auch nach der vergangenen Zeit ist die Band noch immer so stark wie eh und je. Dem Stil treu geblieben, schaffen sie mit ihrem neuen Longplayer „Bei aller Liebe“ noch immer, alte und neue, Fans zu begeistern. Gleich der Opener Track „Killer“ schleudert einen in die 2000er Muff Potter-Zeit zurück. Wobei genau genommen, zieht sich dieses Gefühl durch die ganze Platte. Lyrisch überzeugt die Band auf ganzer Linie. Frontsänger Thorsten weiß einfach, wie er den Songs das gewisse Etwas verleihen kann. Trotz einiger Mitgliederwechsel sind Muff Potter genau da, wo sie aktuell hingehören und zwar in unsere Gehörgänge. Wer auf Kettcar, Tomte oder die Hansen Band steht, wird mit Muff Potter und diesem neuen Werk sehr glücklich werden. (9-8-9)
Lisa: „Jajaja, ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“ – oder auch: Jajaja, Muff Potter sind wieder da! Im Song „Hammerschläge, Hinterköpfe“ erleben einige Neue Deutsche Welle-Klassiker à la „Bruttosozialprodukt“ und Co. ein kleines Comeback und auch der ein oder andere Werbeslogan („Sind sie zu stark, bist du zu schwach“) findet im Lied sein Revival. Businessslang und Selbstoptimierungswahn verarschen können Muff Potter ziemlich gut. Und auch andere gesellschaftliche und politische Missstände bekommen „Bei aller Liebe“ ihr Fett weg. Die Indierocker aus Nordrhein-Westfalen beweisen mit ihrer neuen Platte einmal mehr, dass sie es einfach draufhaben, intelligente und zeitgemäße Texte mit super schönen, verträumten Melodien zu verknüpfen. Für mich eignen sich die zehn Tracks perfekt für einen Sonntagnachmittag, an dem ich mir einerseits einen heiteren, tanzbaren Soundtrack gönnen möchte und andererseits Bock auf ein paar selbstreflektierende, nachdenklich stimmende und ehrliche Zeilen habe. Als „Angry pop music“ betiteln Muff Potter ihre Musik selbst und ja, die Bezeichnung trifft den Nagel auf den Kopf. Mein Fazit: Wer die alten Sachen von Muff Potter mag, wird diese Platte auch mögen. Und wer die Band bis dato noch nicht auf dem Schirm hatte, aber mit der Musik von Madsen, Wir sind Helden oder Thees Uhlmann etwas anfangen kann und auf gute Laune und Rebellion steht, sollte in das neue Album „Bei aller Liebe“ von Muff Potter auf jeden Fall mal reinhören. (7-7-8)
Fotocredit: Bastian Bochinski