Hamburg – Geduld war gefragt am Sonntagabend in der Großen Freiheit 36. Gleich drei Supportbands eröffneten den Konzertabend, der sich dadurch erheblich in die Länge zog. Während die ersten Zuschauerreihen den Nachwuchsacts noch respektvoll begegneten, machte sich im Verlauf des Abends zunehmend Unruhe bemerkbar. Gespräche wurden lauter, vereinzelte Besucher verließen zwischenzeitlich den Saal. Zudem blieb der traditionsreiche Club auf der Reeperbahn sichtbar unter seiner Kapazitätsgrenze – ein ungewohnt luftiges Bild für einen Künstler von Michael Schenkers Rang.
Erst um 21:40 Uhr betrat der frühere Scorpions– und UFO-Gitarrist schließlich die Bühne. Ohne große Einleitung begann das Set, und schnell richtete sich die Aufmerksamkeit wieder vollständig nach vorn. Schenker, mit seiner ikonischen Flying-V-Gitarre, präsentierte sich fokussiert und technisch präzise. Sein Spiel wirkte kontrolliert, melodisch und kraftvoll zugleich – Qualitäten, die ihn seit den 1970er-Jahren zu einer prägenden Figur des Hard Rock gemacht haben.
Begleitet von einer routiniert agierenden Band entwickelte sich ein druckvoller Sound, der vor allem in den Gitarrensoli seine Wirkung entfaltete. Schenker setzte weniger auf spektakuläre Gesten als auf musikalische Substanz. Die Setlist, geprägt von Klassikern und vertrauten Motiven seines umfangreichen Katalogs, wurde vom Publikum zunehmend enthusiastisch aufgenommen. Die zuvor spürbare Gereiztheit wich einer konzentrierten Konzertatmosphäre.
Mit rund 90 Minuten fiel der Auftritt vergleichsweise kompakt aus, hinterließ jedoch einen geschlossenen Eindruck. Auf aufwendige Inszenierung oder längere Moderationen verzichtete Schenker weitgehend und ließ stattdessen sein Instrument sprechen.
So blieb am Ende ein ambivalenter Gesamteindruck: ein organisatorisch überlanger Konzertabend mit spürbar strapazierter Geduld des Publikums, dem jedoch eine überzeugende und musikalisch starke Performance eines der einflussreichsten Gitarristen des Genres gegenüberstand.
Fotocredit & Review: Sascha Beckmann