Mit „Live Free“ schlägt MICHAEL LANE ein neues, spürbar helleres Kapitel in seiner musikalischen Laufbahn auf. Während frühere Alben oft von innerer Schwere, Verarbeitung und einer fast dokumentarischen Ernsthaftigkeit geprägt waren, wirkt das neue Werk deutlich gelöster, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. „Live Free“ ist kein radikaler Bruch mit der Vergangenheit, sondern vielmehr ein bewusstes Weitergehen – weg von reiner Rückschau, hin zu Akzeptanz und persönlicher Versöhnung.
Musikalisch bleibt MICHAEL LANE seiner Folk- und Pop-Ästhetik treu, setzt jedoch stärker auf Leichtigkeit und klare Strukturen. Im Vergleich zu älteren Werken fehlt stellenweise die rohe Intensität, die seine Musik früher besonders eindringlich machte – gleichzeitig gewinnt „Live Free“ dadurch an Zugänglichkeit und Atmosphäre.
Gerade dieser Perspektivwechsel macht das Album interessant: „Live Free“ will nicht mehr erklären, rechtfertigen oder verarbeiten, sondern akzeptieren. Es ist weniger ein innerer Monolog und mehr ein Dialog mit dem eigenen Leben. Thematisch steht nicht mehr das Erlebte im Vordergrund, sondern das Weiterleben damit. Wachstum, Selbstvergebung und emotionale Stabilität ersetzen hier das frühere Gefühl permanenter Selbstbefragung.
In der Gesamtbetrachtung ist „Live Free“ vermutlich nicht das emotional schwerste oder musikalisch ambitionierteste Album im Katalog von MICHAEL LANE, aber vielleicht das ehrlichste in seiner aktuellen Lebensphase. Es verzichtet auf große Dramatik und setzt stattdessen auf innere Klarheit. Wer die früheren Tracks wegen ihrer Dunkelheit und Intensität mochte, könnte diese hier vermissen. Wer jedoch eine reflektierte, ruhige und reife Weiterentwicklung sucht, findet in „Live Free“ ein geschlossenes und glaubwürdiges Werk.
„Live Free“ ist kein Album der großen Umbrüche, sondern eines der stillen Entscheidungen. Ein Werk, das nicht mehr gegen die Vergangenheit ankämpft, sondern gelernt hat, mit ihr zu leben – und genau dadurch seine stärkste Aussage findet.
Das ganze Album findet ihr z.B. ab Freitag hier.
Fotocredit: Albumcover / Artwork