Hamburg kurz vor Weihnachten – und wenn Torfrock zur Bagaluten-Wiehnacht einladen, wird aus Besinnlichkeit zuverlässig Ausnahmezustand. Am 20. Dezember 2025 verwandelte sich die Alsterdorfer Sporthalle wieder in den wohl lautesten, biergetränkten und herzlichsten Weihnachtsmarkt der Stadt. Die mittlerweile 34. Ausgabe der legendären Bagaluten-Wiehnacht bestätigte einmal mehr ihren Kultstatus – weit über die Grenzen der Rock City Hamburg hinaus.
Schon vor der Halle war klar: Das wird kein stiller Abend. Unablässige „Odiiiiiin!“-Rufe hallten über den Platz, leuchtende Wikingerhelme blinkten um die Wette und das ein oder andere Holsten verschwand im Rekordtempo – sicher ist sicher, man weiß ja nie, ob morgen Prohibition herrscht. Drinnen setzte sich das Bild fort: eine bestens gefüllte Halle, fröhlich-friedliche Stimmung und eine Rockgemeinde, die genau wusste, warum sie hier war.
Was die Bagaluten-Wiehnacht seit Jahrzehnten ausmacht, zeigte sich auch 2025: die perfekte Mischung aus ausgelassener Rock-Atmosphäre und weihnachtlicher Gemütlichkeit. Es wurde gesungen, getanzt, gepogt und gefeiert- generationsübergreifend. Fans, die schon vor 34 Jahren bei den ersten Torfrock-Partys dabei waren, standen heute mit ihren Kindern und Enkelkindern im Publikum. Eine große Rockfamilie eben.

Pünktlich um 20.30 Uhr ging es los – mit „O Tannenbaum“, lauter mitgesungen als dieser Klassiker wohl nur selten in Hamburg erklingt. Danach folgte das, was alle wollten: Torfrock pur. Mit Klassikern wie „Rollo, der Wikinger“, „Die Sonntagsjäger“ und „Beinhart“ wurde früh klar, dass auch diese Bagaluten-Wiehnacht keine Gefangenen machen würde. Spätestens bei „Presslufthammer B-B-Bernhard“ erreichte die Eskalation eine neue Stufe, Bierbecher flogen euphorisch durch die Luft und vor der Bühne ging es ordentlich zur Sache – allerdings mit klaren Grenzen. Die ganz wilden Bierduschen früherer Jahre sind weniger geworden, der Spaßfaktor aber ungebrochen hoch.
Zwischendurch bewiesen die Torfrocker mit Coverversionen von Eddie Cochran, The Troggs, Chuck Berry oder Steve Earle ihre tiefe Liebe zum Rock ’n’ Roll. Auch „Hey Joe“ funktionierte in diesem Umfeld überraschend gut – solange man es nicht am Original misst. Torfrock sind zwar immer auch Comedy, vor allem aber eine Band, die Rock lebt und liebt.

Für ein kleines Ausrufezeichen sorgte der neue Song „Plopp Zisch“, der sich nahtlos ins Set einfügte und zeigte, dass bei Torfrock auch 2025 noch Bewegung drin ist. Nach dem gesundheitsbedingten Ausstieg von Gründungsmitglied Raymond Voß und mit dem inzwischen 77-jährigen Klaus Büchner hatten manche das Ende der Band befürchtet – doch Torfrock denken nicht ans Aufhören. „Freie Bahn mit Marzipan“ gilt weiterhin, sehr zur Freude der rund 7000 Feierwütigen in der Halle.
Vor der Zugabe durfte mit „Volle Granate Renate“ natürlich der absolute Pflichtsong nicht fehlen, ehe Torfrock mit „Let’s Wörk Togesser“ und „Karola Petersen“ einen standesgemäßen Schlusspunkt setzten. Dazwischen gab es traditionelle Weihnachtsgedichte, unzählige Odin-Rufe, leuchtende Wikingerhelme und jede Menge Bier – genau so, wie man es erwartet und liebt.
Die Bagaluten-Wiehnacht 2025 war einmal mehr ein jährliches Highlight kurz vor Weihnachten: laut, herzlich, schräg und wunderbar gemeinschaftlich. Oder wie Gitarrist Volker Schmidt grinsend ankündigte: Auch 2026 wird wieder gefeiert. Und ehrlich gesagt – wir wüssten auch nicht, was wir sonst vor Weihnachten machen sollten.
Bild und Text: bephotography.de