Nach fast sieben Jahren in der Songwriting-Klausur melden sich die Australier mit einem selbstbetitelten Album zurück, das auf den Punkt bringt, worum es dieser Band geht und immer ging: Alle Regler auf zehn drehen und immer mittenrein kloppen. Frontmann Joel O’Keeffe hat seinem verstorbenen Freund Lemmy Kilmister einen offenen Brief geschrieben, in dem er dessen Rat zitiert: „No matter what, stay true to yourselves.“ Und: „Make music that your roadies will like.“ Diesen knurrigen Rat haben sich Airbourne zu Herzen genommen – und das merkt man jeder Note an.
„Gutsy“ eröffnet die Platte ohne Umweg. Schlagzeug, Gitarren, Riffs, Joel O’Keeffe, Rock’n’Roll, AC/DC-Huldigung, Stadionrefrain. Nach 30 Sekunden ist klar, wie die nächsten 50 Minuten klingen werden. „Alive After Death (Last Plane Out)“ bringt zumindest etwas mehr Gefühl hinein. O’Keeffe erinnert an Lemmy und andere Rockhelden, deren Musik ihre Urheber überlebt. Die Idee ist simpel, passt hier aber natürlich wie die Faust aufs Auge. Musikalisch bleibt alles beim bewährten Prinzip: Riff, Groove, Hook, Solo.
Doch es gibt auch die Momente, da treten manche Songs nach vorne und machen das beste aus den bewährten Zutaten. Und das passiert tatsächlich immer dann, wenn Airbourne sich zuarbeiten lassen. Bei „Here She Comes“ haben niemand geringeres als Bryan Adams und Mutt Lange mitgearbeitet, was spätestens im Refrain deutlich zu hören ist. Und weil das so gut funktioniert hat, legt das Songrwiter-Team mit „Rhythm in You“ direkt noch einen nach. Klingt nach Zeitreise in die 90er, als Adams und Lange selbst an der Kante zum Heavy-Rock unterwegs waren („Waking Up The Neighbours“).
Weitere Tracks klingen naturgemäß so sehr nach Airbourne und ihren AC/DC Vorbildern, dass es nicht groß überrascht. Zum Beispiel „Kid In A Candy Store“ oder „Last Man Standing“, bei denen Angus Young vermutlich im Halbschlaf einsteigen könnte. Das ist natürlich nicht weiter schlimm, denn Airbourne haben sich in ihrem Stil perfektioniert. Die große Frage lautet: Wie oft möchte man das noch hören? Denn Airbourne bleiben Airbourne. Wer Airbourne kauft, bekommt Airbourne. Die bewährte Formel wird hier nicht neu erfunden, aber sie wird besser denn je bedient. Nicht ganz unschuldig dürfte daran auch das Team hinter den Reglern sein, welches es tatsächlich hinbekommen hat, Airbourne so zu lenken, dass auch mal ein Soli für sich stehen kann. Namentlich finden sich hier Produzent Brian Howes, mit dem Airbourne bereits auf „Black Dog Barking“ (2013) zusammenarbeiteten, Mix-Engineer Zakk Cervini (Bring Me The Horizon, Architects, Evanescence) sowie Mastering-Legende Ted Jensen.
Und mit „Send Me To Rock ‚N‘ Roll Heaven“ bekommt man auch noch einen ziemlich perfekten Schluss serviert: Airbourne veranstalten für ihre verstorbenen Helden die größte Rock’n’Roll-Party im Jenseits. Laut, hymnisch, etwas drüber. Also genau richtig, denn das dürfte ganz klar „music that your roadies will like“ sein.
Fotocredit: John McMurtrie