Wie jedes Jahr bietet Rock am Ring wieder ein starkes Line Up gemischt von großen und kleinen Highlights.
Rock am Ring steht vor der Tür…
Das Wetter wird besser, die ersten Festivals rücken näher – und auch am Nürburgring geht es in etwas weniger als einem Monat endlich wieder los.
Das Line-up sowie der Timetable sind bereits seit einiger Zeit online, was den vielen Besucherinnen und Besuchern die Planung sicherlich erleichtert.
Werfen wir also einen Blick auf die einzelnen Tage. Natürlich gibt es wie jedes Jahr Überschneidungen, über die sich der ein oder andere ärgern wird. Trotzdem haben wir hier ein paar Tipps aus dem Line-up 2026:
Die Utopia Stage wird am Freitag von Mehnersmoos eröffnet – einer der wenigen Rap-Acts im Line-up. Das war vor einigen Jahren noch deutlich anders, sorgt aber immer wieder für eine willkommene Abwechslung im sonst gitarrenlastigen Programm. Vielleicht schafft es ja auch der ein oder andere „Sons of Huan“-Track in die Setlist.
Wer es direkt etwas härter mag, wird auf den anderen beiden Bühnen fündig: So spielen We Came As Romans auf der Mandora Stage, während auf der Orbit Stage Slay Squad aus Südkalifornien ihr eigenes Genre „Ghetto Metal“ präsentieren – ein ungewöhnlicher, aber spannender Sound.
Ab dem Nachmittag wird es dann richtig interessant: The Hives und The Plot In You spielen parallel – man muss sich also entscheiden. Schwedischer Gute-Laune-Punk von The Hives bei hoffentlich bestem Wetter oder moderner Metalcore von The Plot In You, die zuletzt auf ihren Headline-Shows absolut überzeugen konnten?
Doch auch die Orbit Stage sollte man weiterhin im Auge behalten, denn mit Don Broco wartet dort eine extrem starke Liveband. Die ersten echten Abwägungen stehen also an.
Ab dem späten Nachmittag dürfte sich die Center Stage dann zunehmend füllen: Mit Architects, Papa Roach und Linkin Park als Headliner ist ein extrem starkes Paket aus Metalcore und Nu Metal geschnürt worden. Den Abschluss dieses Blocks bildet Limp Bizkit auf der Mandora Stage – ein brachiales Finale. Für Fans dieses Genres ist der Timetable kaum besser planbar.
Den eigentlichen Tagesabschluss liefern jedoch The Butcher Sisters auf der Orbit Stage. Stroppo, Alex und der Rest der Band werden dabei mit Sicherheit auch wieder den ein oder anderen „Zaubertrick“ auspacken, den man schon von der letzten Tour kennt. Wer nach diesem langen Festivaltag noch Energie hat, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen.
Tag zwei – Samstag:
Wir waren ja schon beim Thema Überschneidungen – und der Samstag setzt hier nochmal ordentlich einen drauf. Mit Paleface Swiss und letlive. gibt es gleich zwei sehr starke Acts, die sich überschneiden.
Während Paleface Swiss als einer der Senkrechtstarter der letzten Jahre den Bereich Nu-Deathcore ordentlich aufmischen – angeführt von Frontmann „Zelli“ stehen letlive. für energiegeladene Shows, die man eigentlich nicht verpassen will.
Hier werden sich wohl viele Gruppen aufteilen müssen – aber am Ende dürfte jede Entscheidung mit einer richtig guten Show belohnt werden.
Ein besonders spannender Spot auf der Utopia Stage ist am Nachmittag Tom Morello. Bekannt von Rage Against the Machine, ist er hier mit seinem Solo-Programm unterwegs – definitiv etwas, das man auf dem Schirm haben sollte. Erst vor einigen Monaten erschien zudem ein gemeinsamer Track mit Caleb Shomo von Beartooth.
Wargasm werden auf der Orbit Stage für ordentlich Bewegung sorgen – spätestens seit ihrer Support-Tour mit Electric Callboy dürfte sich die Fanbase nochmal deutlich vergrößert haben.
Generell werden die Besucherinnen und Besucher an diesem Tag wohl einige Kilometer auf dem Gelände zurücklegen. Auf allen Bühnen sind große Namen aus den jeweiligen Genres vertreten – und die Überschneidungen machen die Planung nicht gerade einfacher.
Ein gutes Beispiel: Landmvrks und Three Days Grace spielen quasi parallel. Viele werden ihre Entscheidung hier vermutlich davon abhängig machen, wie das restliche Programm auf der jeweiligen Stage aussieht. Auf der Utopia Stage folgen etwa mit Electric Callboy und Volbeat zwei absolute Publikumsmagneten – ein Faktor, den man bei der Tagesplanung definitiv berücksichtigen sollte.
Doch auch die Mandora Stage muss sich keinesfalls verstecken: Ice Nine Kills verwandeln den Nürburgring in ihren ganz eigenen Horrorfilm – inklusive aufwendiger Requisiten und einer Inszenierung, die fast schon an einen Theaterbesuch erinnert. Wer die Band aus Boston bisher noch nicht live gesehen hat, sollte das dringend nachholen.
Im Anschluss übernehmen Bad Omens als Headliner der Mandora Stage. Mit ihrem emotionalen und atmosphärischen Mix aus Härte und Melodie liefern sie die perfekte Grundlage für eine intensive Show – die bei kompletter Dunkelheit noch einmal deutlich an Wirkung gewinnen dürfte.
Fast ein wenig unter dem Radar läuft an diesem Tag das Line-up der Orbit Stage, dabei verstecken sich hier über den Tag verteilt einige echte Perlen. High Vis waren z.B. zuletzt noch als Support für Turnstile unterwegs, und auch bei Basement dürfte es am Abend ordentlich voll werden.
Den krönenden Abschluss liefern schließlich die H-Blockx aus Münster. Seit Jahrzehnten eine feste Größe auf den Bühnen – und in diesem Jahr mit neuem Album zurück, nach ganzen 19 Jahren Pause. „Fillin the Blank“ hat gezeigt, dass sich das Warten absolut gelohnt hat: klassischer Crossover-Sound, genau so, wie man ihn von der Band kennt.
Das wird eine riesige Party – bis tief in die Nacht.
Tag drei – der Sonntag:
Nach mehreren Festivaltagen wird der letzte Tag traditionell der anstrengendste. Die Beine werden schwerer, der Schlafmangel macht sich bemerkbar – doch für den Abschluss müssen nochmal die letzten Reserven mobilisiert werden.
Den Start auf der Utopia Stage machen Bad Nerves. Die Band aus England bringt ihren energiegeladenen Mix aus Punk und Garage Rock mit an den Ring und dürfte damit direkt früh für Bewegung sorgen.
Besonders im Auge behalten sollte man an diesem Sonntag aber die Orbit Stage. Auch wenn sie die kleinste der drei Bühnen ist, verstecken sich hier einige echte Highlights. Mit Boundaries und Catch Your Breath stehen gleich zwei spannende Acts auf dem Plan, während PRESIDENT im vergangenen Jahr komplett durch die Decke gegangen sind und mittlerweile extrem viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch das Abendprogramm kann sich sehen lassen: Set It Off sorgen nochmal für ausgelassene Stimmung, bevor Kublai Khan TX den Tag dort mit voller Härte fast zum Abschluss bringen.
Natürlich liefern aber auch die Hauptbühnen das gewohnte große Rock-am-Ring-Besteck. Besonders spannend wird die Überschneidung zwischen Finch und Breaking Benjamin – zwei völlig unterschiedliche Acts, bei denen es trotzdem wohl vor beiden Bühnen gleichzeitig richtig voll werden dürfte.
Das große Finale auf der Utopia Stage übernehmen schließlich The Offspring und Iron Maiden. Zwei absolute Kultbands, die schon oft am Ring zu Gast waren und jedes Mal für beeindruckende Stimmung sorgen.
Auf der Mandora Stage schließen Sabaton den Abend ab, bevor Sondaschule schließlich den kompletten Nürburgring in die Nacht verabschieden werden – und dabei vermutlich noch die letzten Energiereserven aus den Besucherinnen und Besuchern herauskitzeln.
Tipps vom Frontstage Team:
Laura: Ecca Vandal – Samstag 14:50-15:35 Utopia Stage
Wer beim Rock am Ring noch einen Act sucht, der wirklich überrascht, sollte sich Ecca Vandal nicht entgehen lassen.
Die Australierin mit tamilisch-südafrikanischen Wurzeln verbindet eine klassische Jazzausbildung mit der rohen Energie des Punk – und das klingt nicht wie ein Experiment, sondern wie eine perfekte Formel.
In ihrem Sound verschmilzt Punk, Hip-Hop, Pop und Rock mit elektronischen Einflüssen zu etwas, das ebenso explosiv wie unverwechselbar ist. Wer Letlive für ihre emotionale Intensität liebt oder bei Nova Twins nicht stillstehen kann, wird bei Ecca Vandal sofort zu Hause sein – sie vereint die Energie beider Welten und fügt noch eine gehörige Portion elektronischen Punch hinzu.
Auf der Bühne ist sie eine Naturgewalt: Mit ausgefallenen Kostümen, einer magnetischen Präsenz und Songs, die zwischen zarten Melodien und brachialer Wucht pendeln, reißt sie ihr Publikum mit.
Nicht umsonst hat sie bereits Bands wie Limp Bizkit auf ihrer Europatour als Vorband begleitet und sich dabei einen Namen weit über die australische Musikszene hinaus gemacht. Noch dazu erscheint ihr neues Album „Looking for People to Unfollow“ am 22. Mai – Rock am Ring wäre also die perfekte Gelegenheit, diese Songs frisch aus dem Ofen live zu erleben
Florian: Loathe – Freitag 14:05-14:50 Mandora Stage
Loathe live zu erleben ist weniger ein Konzert als vielmehr ein kontrollierter emotionaler Kollaps.
Was sie so besonders macht, ist die kompromisslose Verschmelzung von brachialem Metalcore und sphärischem Shoegaze.
Auf der Bühne erzeugen sie eine enorme atmosphärische Dichte: In einer Sekunde reißt dich die rohe Gewalt ihrer Riffs in den Moshpit, in der nächsten schwebt man in träumerischen, Deftones-esquen Klangteppichen.
Man muss sie live sehen, um diese unberechenbare Dynamik und die fast schon greifbare Intensität zu spüren, mit der sie moderne Härte völlig neu definieren.
Fotocredit: Kevin R. Emmers @ Rock am Ring 2024