Es gibt Bands, die sich mühsam nach oben spielen, und es gibt Formationen, die bereits bei ihrem ersten gemeinsamen Atemzug eine derartige Strahlkraft besitzen, dass Begriffe wie „Newcomer“ fast deplatziert wirken. Bon Jour ist ein solches Phänomen. Dass das Musikmagazin Rolling Stone die sechsköpfige Truppe als „Supergroup“ adelt, kommt nicht von ungefähr: Mit Mitgliedern von etablierten Acts wie Mynth, The Makemakes oder Good Wilson bündelt das Kollektiv eine kreative Kompetenz, die in der österreichischen Szene ihresgleichen sucht. Nach dem gefeierten Debüt „Growth“ kehrt die Band nun mit ihrer neuen EP „How Long Is Forever“ (VÖ: 17.04.2026) zurück. Der Sound ist ein schillernder Mix aus Americana-Chic und Coachella-Vibes, der klingt, als wäre die Wiener Neustadt direkt an die kalifornische Küste verlegt worden.
Eine musikalische Reise durch die „Red Zone“
Inhaltlich und klanglich markiert die EP einen organischen Entwicklungsschritt: Weg vom dichten Alternative Pop, hin zu einem luftigeren, bunteren Gefüge aus Psychedelic-Funk, Surf-Rock und groovigem Indie. Den fulminanten Start macht „Lego“, ein bereits bewährter Chartstürmer, der die Hörer:innen mit spielerischer Energie in eine Nacht voller Kontrollverlust entführt. Die Metapher der „Red Zone“ beschreibt hier perfekt den Zustand zwischen emotionaler Übersteuerung und purer Befreiung. Nahtlos geht dieser Drang in „I Feel Like Escaping“ über, einem Track, der weniger eine Flucht als vielmehr eine rastlose Suche nach maximaler Intensität verkörpert.
Mit „Baby, Am I Delusional“ taucht die EP von Bon Jour tief in eine nostalgische Welt aus Motown-Romantik und 70s-Alternative-Soul ein, in der das Verliebtsein als wunderschönes, destabilisierendes Risiko gefeiert wird. Der Titeltrack „How Long Is Forever“ bildet das hypnotische Zentrum des Werks; mit pulsierenden Rhythmen und einem unwiderstehlichen Refrain wird hier der freie Fall ins „Rabbithole“ der Gefühle zelebriert. Eine gesellschaftskritische Note bringt „Artificial Heart“ ein, das unter der thailändischen Sonne entstand und mit psychedelischen Funk-Elementen die Oberflächlichkeit digitaler Optimierung hinterfragt. Den Abschluss bildet „Ghost“, ein energetischer Rausschmeißer über toxische Anziehung, der trotz verletzlicher Themen zum Tanzen einlädt und die EP bunt und laut ausklingen lässt.
Fazit
Bon Jour gelingt mit „How Long Is Forever“ das Kunststück, gleichzeitig catchy und tiefgründig zu bleiben. Die Produktion wirkt intuitiv und organisch, ohne dabei den Fokus auf den glitzernden Ohrwurm zu verlieren. Es ist Musik, die nicht nach Antworten sucht, sondern den Moment als einzige Wahrheit akzeptiert. Wer nach einem Soundtrack für die schlaflosen Nächte des Frühlings sucht, in denen die Vernunft Pause hat und das Herz den Takt vorgibt, kommt an dieser EP nicht vorbei. Ein absolut stilsicheres Statement einer Band, die längst auf internationalem Niveau spielt.
Bon Jour – Tour 2026:
29.04.2026 – Graz, Orpheum
06.05.2026 – Salzburg, Rockhouse
19.05.2026 – Mainz, Schon Schön
20.05.2026 – Hamburg, Übel und Gefährlich
21.05.2026 – Berlin, Neue Zukunft
23.05.2026 – Linz, Stadtwerkstatt
27.05.2026 – Wien, Flucc
31.05.2026 – Laufen, zumOXN
Fotocredit: Albumcover / Artwork