Am 27.03. erscheint mit „Creature of Habit“ das vierte Studioalbum von Courtney Barnett und markiert ein neues, bemerkenswert persönliches Kapitel in ihrem Schaffen. Die australische Singer Songwriterin richtet den Blick nach innen und verarbeitet Veränderungen, Unsicherheiten und Neuanfänge mit einer Offenheit, die sich durch das gesamte Album zieht.
Als Fan von Courtney Barnett habe ich mich besonders über die berührenden Texte gefreut und über ihr großes Talent, so zu schreiben, dass jeder Hörer eine Verbindung zu seinem eigenen Leben ziehen kann. Zeitlos klingt ihre Stimme und ebenso zeitlos ist die musikalische Untermalung der Texte. Die Songs funktionieren in jeder Situation, unabhängig von Jahr oder Jahreszeit. Ob als Begleitung auf einer Busfahrt an einem regnerischen Tag, bei Sonnenschein im Park mit Freunden oder in einem melancholischen Moment während einer Autofahrt. Je nach Stimmung kann man sich genau die Lieder herausnehmen, die man gerade braucht. Trotzdem würde ich empfehlen, das Album als Ganzes zu hören, denn genau so entfaltet es seine volle Wirkung und nimmt einen auf eine gedankliche Reise mit.
Bereits die vorab veröffentlichten Songs wie „Stay in Your Lane“, „Site Unseen (feat. Waxahatchee)“, „Mantis“ und „Sugar Plum“ geben einen klaren Eindruck davon, wohin sich Barnett bewegt. Thematisch geht es weniger um äußere Geschichten, sondern vielmehr um innere Prozesse und die Frage, wie man sich selbst nicht länger im Weg steht.
Ein zentrales Highlight ist „One Thing At A Time“. Der Song bringt die Kernaussage des Albums auf den Punkt. Getragen von einer treibenden Rhythmusgruppe mit Flea am Bass baut sich eine spürbare Spannung auf, die sich im weiteren Verlauf entlädt. In der Mitte des Songs kippt die Stimmung, bevor ein intensives Gitarrensolo folgt, das den emotionalen Höhepunkt bildet. Die abschließende Zeile „I’m ready for a change“ wirkt dabei wie ein vorsichtiger, aber entschlossener Schritt nach vorne.
Auch im größeren Kontext ist „Creature of Habit“ stark von Umbrüchen geprägt. Nach ihrem Umzug nach Los Angeles und dem Ende ihres langjährigen Labels setzt sich Barnett mit Unsicherheit und Veränderung auseinander. Anstatt diese Gefühle zu glätten, lässt sie sie bewusst in den Aufnahmeprozess einfließen, was dem Album eine spürbare Ehrlichkeit verleiht.
Musikalisch bleibt sie ihrem Stil treu, erweitert ihn jedoch subtil. Ihre Gitarrenarbeit ist präzise und ausdrucksstark, mal zurückhaltend, mal ausbrechend, immer im Dienst der Emotion. Die Produktion wirkt offen und direkt, wodurch die Texte noch stärker zur Geltung kommen.
“Creature of Habit“ ist kein Album, das sofort alle Antworten liefert. Vielmehr ist es eine Einladung, sich Zeit zu nehmen, genau hinzuhören und sich auf die eigene Gedankenwelt einzulassen.
Fotocredit: Lindsey Byrnes