Für das Frontstage Magazine unterwegs zu sein, heißt manchmal: verschwitzte Wände, klebriger Boden und Bierduft, der in der Luft liegt und wenn genau so eine Atmosphäre vorhanden ist, dann weiß man: alles richtig gemacht! Genau solch eine besondere Stimmung gab es am Donnerstagabend im Logo in Hamburg und eines kann man direkt vorwegnehmen: Das Logo hat mal wieder gebebt. Und zwar bis zum geht nicht mehr.
Für mich persönlich ist dieser Laden dabei sowieso kein gewöhnlicher Venue. Das Logo war der erste Club, in dem ich als 14-Jährige meine ersten Rockkonzerte erlebt habe. Zurückzukommen, Jahre später und das mit meinem jüngeren Bruder, das hat dem Abend nochmal eine ganz eigene, fast schon nostalgische und dennoch neue Note verliehen.
Bevor der Abriss endgültig seinen Lauf nahm, wurde der Abend von gleich mehreren Supports eröffnet. Mit dabei: Psycho-Frame, BIG ASS TRUCK und Ingested. Ein Line-up, das schon vor dem Headliner keine Gefangenen machte.
Was glaube ich dem gesamten Publikum schnell klar war: Das hier wird kein Abend zum entspannten Mitnicken. Und ja, selbst im kleinen Logo fanden Circle Pit und Moshpit ihren Platz – irgendwie zumindest. Zwischen Wänden, Bar und Bühne wurde sich Raum geschaffen, wo eigentlich keiner war. Die Pits gingen dabei passend zur Musik ordentlich zur Sache: stellenweise brutal, kompromisslos und wild, aber gleichzeitig nie ohne dieses unterschwellige Gefühl von gemeinschaftlichem Spaß. Genau dieses Chaos, das irgendwie doch immer funktioniert.
Als schließlich Bodysnatcher die Bühne betraten, gab es dann endgültig kein Halten mehr. Wobei „Bühne“ an diesem Abend ohnehin eher ein flexibler Begriff war, denn sie gehörte nicht nur der Band, sondern genauso dem Publikum. Kaum ein Song, bei dem nicht Fans mit auf die Bretter sprangen oder stagedivten. Genau diese rohe, ungefilterte Energie ist es, die Shows im Logo so besonders macht.
Musikalisch knüpfte Bodysnatcher genau da an, wo die Supports aufgehört hatten – nur noch intensiver, noch druckvoller, noch kompromissloser. Die Setlist lieferte einen wuchtigen Querschnitt durch ihr Material: Tracks wie The Maker, Wired For Destruction und Behind the Crowd sorgten direkt zu Beginn für maximale Eskalation. Spätestens bei Black of My Eyes und Dead Rabbit war der Raum dann endgültig im Ausnahmezustand.
Mit Infested und Blade Between the Teeth folgten weitere Abrissbirnen, bevor Songs wie Take Me To Hell und Violent Obsession die Energie konstant auf Anschlag hielten. Auch Murder8, Twelve/Seventeen und Open Wounds reihten sich nahtlos in dieses Set ein, das eigentlich keine Verschnaufpause kannte.
Auch wenn die genaue Reihenfolge variieren mag, wurde in Hamburg eines deutlich: Diese Setlist ist nicht dafür gemacht, einfach nur gehört zu werden. Sie will gespürt werden. Und das hat man. In jeder Faser.
Was diesen Abend aber besonders gemacht hat, war nicht nur die musikalische Wucht, sondern dieses Zusammenspiel aus Band und Crowd. Es gab keine klare Trennung. Keine Distanz. Stattdessen: pure Eskalation auf Augenhöhe. Schweiß tropfte von der Decke, Arme flogen durch die Luft, und irgendwo zwischen Moshpit und Stagefront verlor man komplett das Gefühl für Raum und Zeit.
Das Logo wurde einmal mehr zu genau dem, was es am besten kann: ein Ort, an dem Shows nicht einfach stattfinden, sondern passieren.
Und vielleicht ist es genau das, was hängen bleibt.
Kein perfekt durchchoreografiertes Set. Keine makellose Inszenierung. Sondern ein Abend, der roh war, laut, chaotisch – und genau deshalb so gut. Einer von denen, bei denen man am nächsten Tag mit Muskelkater aufwacht und sich denkt: Ja, das war’s wert.
Oder anders gesagt: Das Logo hat gebebt. Die Bühne gehörte allen. Und Bodysnatcher haben genau das geliefert, was man sich von so einem Abend erhofft und vielleicht sogar ein kleines bisschen mehr.
Fotocredits: Alyssa Moreau