Mit ihrer Musik bewegt sich die Band TYNA konsequent zwischen Empowerment, Selbstzweifeln, politischer Haltung und Momenten der Euphorie. Die Gruppe versteht ihre Konzerte nicht nur als Live-Performance, sondern als emotionalen Begegnungsraum – einen Ort, an dem Menschen für einen Abend alles loslassen können, was sie im Alltag beschäftigt. Genau dieses Gefühl steht im Zentrum ihrer kommenden „Allen Geht Es“-Tour 2026, auf der Nähe zum Publikum, Offenheit und gemeinsames Erleben wichtiger sind als jede Perfektion. Im Gespräch mit uns dem Frontstage Magazine erzählen die Mitglieder von TYNA, wie sie ihre Shows bewusst als Safe-Space gestalten, warum Ehrlichkeit eine zentrale Rolle in ihrer Musik spielt und welche besonderen Momente entstehen, wenn Publikum und Band emotional auf derselben Wellenlänge sind. Das Interview zeigt, wie stark Musik verbinden kann – besonders in kleinen Clubs, in denen aus Songs gemeinsame Erfahrungen werden.
Frontstage Magazine: Eure Shows werden oft als Schutzraum und Gemeinschaftserlebnis beschrieben. Wie bewusst gestaltet ihr eure Konzerte als Ort, an dem sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Stimmungen und Hintergründen aufgehoben fühlen können?
Tina: Wir möchten, dass sich alle Besucherinnen unserer Shows wohlfühlen. Wir wünschen uns, dass TYNA-Konzerte immer ein Safe-Space sind. Während der Show mache ich dazu thematische Ansagen, und wir arbeiten eng mit unserer Crew und den örtlichen Veranstalterinnen zusammen.
Murphy: Da legen wir schon großen Wert drauf – sowohl in Sachen Awareness als auch programmatisch, wobei das ganz unterschiedliche Dinge bedeutet. In Sachen Awareness arbeiten wir eng mit unserer Live-Crew zusammen und schauen immer wieder, was wir schon gut machen und was Crewmitglieder vielleicht bei anderen Produktionen mitgenommen haben, das sich auch bei uns etablieren lässt. Austausch ist da das A und O. Inhaltlich, musikalisch und stimmungstechnisch ist es uns außerdem extrem wichtig, dass so ein Abend nicht „langweilig“ wird – weder für das Publikum noch für uns selbst. Wir müssen uns das ja jeden Abend anhören, da ist das schon Eigeninteresse. In unserem Sound fließt viel zusammen, und das braucht alles seinen Platz. Wir sind auch als Konzertbesucher:innen unterschiedlich drauf, und das fließt zum Beispiel in unsere Setlisten mit ein.
Mia: Da kann ich eigentlich nur hinzufügen, dass unsere Songs eine große Bandbreite an Gefühlen und Stimmungen abdecken und unser Set dadurch automatisch eine Art Achterbahn der Emotionen wird. Wir spielen den witzigen „Ich-bin-noch-nicht-so-erwachsen-wie-ich-aussehe-und-esse-mein-Müsli-mit-Bier“-Song genauso wie einen melancholischen Liebes-Aus-Song, einen „Du-bist-gut-so-wie-du-bist“-Song, einen Song über Selbstzweifel, eine zynisch-ironische Politik-Keule, einen Feelgood-Song – und natürlich Depression und Euphorie, die sich ständig abwechseln. Das klingt erstmal nach viel Durcheinander, aber es sind alles Gefühle und Situationen, mit denen wir uns auseinandersetzen und die zu uns gehören. Die Menschen auf unseren Konzerten können sich vielleicht in einer oder mehreren dieser Stimmungen wiederfinden und fühlen sich – egal in welcher Verfassung – am richtigen Ort. Auf eine gewisse Art passiert das automatisch und eher unbewusst durch die Set-Gestaltung. Gleichzeitig achten wir bewusst darauf, dass jede Facette im Set vorkommt. So entsteht auf der Gefühlsebene ein Safe-Space, weil bei uns alle Emotionen willkommen sind.
Frontstage Magazine: „ALLEN GEHT ES“ klingt wie eine provokante Behauptung in Zeiten von Dauerkrisen. Welche Bedeutung hat dieser Satz für euch im direkten Austausch mit dem Publikum auf Tour?
Tina: „ALLEN GEHT ES“ spielt darauf an, dass viele Menschen die Frage „Wie geht es dir?“ nicht ehrlich beantworten und die Floskel „gut“ sehr oft fällt – aus Angst vor Ablehnung, aus Scham oder aus dem Gefühl heraus, „zu viel“ zu sein. Wir wünschen uns, dass Menschen nach unseren Konzerten ehrlich sagen können: „Mir geht es jetzt gerade wirklich gut“, weil sie einen Abend erlebt haben, der sie emotional aus einem Loch herausgeholt hat.
Mia: Es geht gar nicht so sehr um Dauerkrisen, sondern darum, dass jede:r von uns irgendwann in einer Krise steckt und oft allein damit umgeht. Ein „Bei mir ist alles gut“ ist einfacher, als Gefühle wirklich auszudrücken und zu teilen. Der Song handelt von dieser Ehrlichkeit, die oft heruntergeschluckt wird, weil sie nicht in den Smalltalk passt. Gleichzeitig geht es auch darum, dass wir die Frage „Wie geht’s?“ häufig nur aus Höflichkeit stellen und insgeheim auf ein einfaches „Gut“ hoffen. Willkommen im Pflicht-Smalltalk, wo es allen gut geht – immer. Der nächste Schritt ist dann, sich selbst gegenüber auch nicht mehr ehrlich zu sein. Genau da will der Song ansetzen: Er ist provokant, aber auch selbstkritisch und eine Einladung, beim nächsten „Wie geht’s?“ ehrlich zu antworten und diese Frage nur zu stellen, wenn man die Antwort wirklich hören möchte. Genau das wünschen wir uns auch auf Tour. Wir spielen in kleinen bis mittelgroßen Clubs, sind dem Publikum sehr nah und wollen genau das bleiben – nahbar und ehrlich. Und wir hoffen, dass die Menschen uns auf dieser Ebene begegnen.
Frontstage Magazine: Clubshows leben von Nähe, Schweiß und Reibung. Was braucht für euch ein Raum – egal ob kleiner Club oder größere Venue –, damit sich eine TYNA-Show wirklich richtig anfühlt?
Tina: So viel Platz, dass wir unser Equipment aufbauen können, und ein gutes Awareness-Konzept, damit sich alle Menschen wohlfühlen 🙂
Murphy: Und natürlich möglichst viele Menschen, die sich das Ganze geben wollen und dabei aufeinander aufpassen. Es ist natürlich so, dass wir immer versuchen, alles auf der Bühne zu geben – egal ob sich da vier Leute auf 50 Quadratmetern verlieren oder 2.000 Menschen durchdrehen und man den Fußboden nicht mehr sehen kann. Aber den Fußboden nicht sehen zu können, macht es schon leichter – so ehrlich muss man sein.
Mia: Menschen, die Lust auf einen schönen Abend haben und mit uns tanzen, singen und mitfühlen! An Clubshows mag ich persönlich sehr, dass der Funke einer wirklich angezündeten Crowd super schnell überspringt und sich direkt überträgt – von uns auf die Leute vor der Bühne und andersherum. Dieses Gefühl, wenn sich eine ganze Menschenmenge gemeinsam bewegt und Spaß hat, ist großartig. Gleichzeitig sollte die Nähe immer nur so weit gehen, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen – am besten mit Textilien am Körper (auch obenrum, hehe) 😀
Frontstage Magazine: Eure Texte bewegen sich zwischen Empowerment, Wut, Zweifel und Hoffnung. Wie wichtig ist euch der direkte emotionale Austausch mit dem Publikum auf Tour – und gibt es Momente, in denen ihr selbst von der Energie im Raum überrascht werdet?
Tina: Es gibt da einen ganz besonderen Moment für mich: Wenn Mia und ich „Heute Euphorie“ akustisch im Publikum spielen. Da passiert es sehr oft, dass mich die Energie im Raum regelrecht überflutet. Es gab Shows, bei denen ich währenddessen einen riesigen Kloß im Hals hatte und es mir sehr schwer fiel, den Song zu Ende zu singen. Die Energie war so ehrlich, traurig und empathisch, und plötzlich haben alle ihren Emotionen freien Lauf gelassen. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Mia: Mir geht es genauso — das ist schon immer ein krasser Moment gewesen. Einmal haben bei genau diesem Song plötzlich beinahe alle Menschen ein pinkes Herz hochgehalten. Das war extrem überwältigend. Auf der anderen Seite ist es auch total intensiv, wenn dieser Funke überspringt und wir uns gegenseitig mit dem Publikum anstecken und alles einfach vibed. Letztens haben wir in Hamburg zum ersten Mal unsere aktuelle Single „ALLEN GEHT ES“ gespielt und alle haben heftig gebounced — das war emotional auf eine ganz andere Weise. Und was den direkten Austausch angeht: Wir gehen eigentlich immer nach der Show in den Raum, meistens zum Merch-Stand, und quatschen mit den Leuten. Das war uns schon immer wichtig. So lernen wir die Menschen kennen, die unsere Musik hören — und sie uns. Das ist richtig schön.
Frontstage Magazine: Nach der Show soll man ehrlicher „Gut!“ sagen können, wenn man gefragt wird, wie es einem geht. Woran merkt ihr am Ende eines Abends, dass genau das bei einer TYNA-Show passiert ist?
Tina: Wenn die Menschen mit lächelnden Gesichtern den Club verlassen — und natürlich durch die vielen Gespräche, die wir nach der Show am Merch führen. Da bekommen wir ein gutes Gefühl dafür, wie die Stimmung der Menschen ist.
Mia: Wenn wir es schaffen, Menschen, die vor dem Konzert vielleicht mit „nicht so gut“ geantwortet hätten, genau in ihrer Stimmung abzuholen und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Dämonen nicht allein sind, erzählen sie uns das meistens. Wie Tina schon sagt: am Merch nach der Show oder manchmal später per Mail oder Instagram-Nachricht. Solche Rückmeldungen bekommen wir häufig — und das ist total schön.
Wir vom Frontstage Magazine präsentieren euch die Tour in Zusammenarbeit mit The Living Proof Agency GmbH & TYNA
ALLEN GEHT ES Tour 2026
09.01.26 Hamburg – Knust
10.04.26 Oberhausen – Druckluft
11.04.26 Bremen – Zollkantine
17.04.26 Hannover – Lux
18.04.26 Berlin – Privatclub
01.05.26 Düsseldorf – Ratinger Hof
02.05.26 Kassel – Goldgrube
08.05.26 Leipzig – Bandhaus
09.05.26 München – Kranhalle
Fotocredit: Konzertsucht