München – Am 19. März 2026 verwandelte Backstage (Werk) sich in eine düstere Parallelwelt: Poppy machte im Rahmen ihrer „Constantly Nowhere Tour“ Halt in der bayerischen Landeshauptstadt – und lieferte eine Show zwischen Industrial-Gewitter, Pop-Ästhetik und verstörender Kunstperformance. Unterstützung gab es von Fox Lake und Ocean Grove, die den Abend brachial einläuteten.
Starker Auftakt: Fox Lake & Ocean Grove bringen das Werk zum Beben
Bereits früh am Abend wurde klar: Dieser Konzertabend wird keine halben Sachen machen. Fox Lake eröffneten mit einer energiegeladenen Mischung aus Nu-Metal und Hardcore und brachten die Crowd sofort in Bewegung.
Ocean Grove legten anschließend nach und präsentierten ihren unverkennbaren Sound zwischen Alternative, Nu-Metal und elektronischen Einflüssen. Mit Tracks aus „ODDWORLD“ und „Flip Phone Fantasy“ sorgten sie für erste Circle Pits und eine merklich aufgeheizte Stimmung im mittlerweile gut gefüllten Werk.
Poppy: Zwischen Kontrolle und Chaos
Pünktlich um 21 Uhr verdunkelte sich die Bühne – und mit einem gesprochenen Intro begann eine Show, die sich irgendwo zwischen Kunstinstallation und Abriss bewegte. Schon der Opener „Bruised Sky“ machte klar, wohin die Reise geht: kompromisslos, laut und visuell durchinszeniert.
Mit „BLOODMONEY“ und „Scary Mask“ folgte direkt die erste Vollbremsung in Richtung Industrial- und Metalcore-Gewalt, während Poppy dabei gleichzeitig kühl und fast distanziert wirkte – eine Inszenierung, die perfekt zu ihrem künstlerischen Konzept passt.
Immer wieder durchzogen kurze Interludes die Show, die das Set wie ein Kapitelwerk strukturierten und die Spannung konstant hoch hielten.
Setlist mit dramaturgischem Feingefühl
Die Setlist in München folgte im Kern der aktuellen Tour-Struktur und spannte einen Bogen durch Poppys Diskografie.
Highlights waren unter anderem:
- „Concrete“ – ein wilder Genre-Mix, der live besonders chaotisch zündet
- „Anything Like Me“ – mitreißend und überraschend emotional
- „have you had enough?“ – einer der intensivsten Momente des Abends
- „crystallized“ – hypnotisch und atmosphärisch dicht
- „V.A.N“ (ft. Bad Omens) – düster und druckvoll umgesetzt
Mit „If We’re Following the Light“ und „they’re all around us“ wurde es gegen Ende noch einmal episch, bevor Poppy das Set scheinbar beendete.
Finale mit Nachdruck
Natürlich durfte ein Encore nicht fehlen: Nach einem letzten Interlude kehrte Poppy zurück und schloss den Abend mit „new way out“ – ein Finale, das gleichermaßen kathartisch wie kompromisslos wirkte.
Fazit
Poppy zeigt in München eindrucksvoll, warum sie aktuell eine der spannendsten Künstlerinnen zwischen Pop, Metal und Avantgarde ist. Ihre Show ist mehr als ein Konzert – sie ist ein kontrolliertes Chaos, ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk.
Wer hier nur Hits erwartet hat, wurde überrascht. Wer sich auf das Erlebnis eingelassen hat, bekam einen intensiven Trip durch Klang, Konzept und Konfrontation.
Fotocredit: Hector Clark