Manchmal entstehen Bands im Proberaum. Manchmal in irgendwelchen Studenten-WGs zwischen Bierkisten. Und manchmal eben in einer Rock-Kommune in Tübingen, in der fünf Freunde zusammenleben, sich Küche, Bad und Ideen teilen. Genau so eine Konstellation steckt hinter Yeast Machine. Und wenn man ihr neues Album „Bad Milk“ hört, merkt man schnell: Diese Band ist weniger ein Projekt als vielmehr ein Lebenszustand.
Denn wer dauerhaft zusammen wohnt, diskutiert, Musik hört und Songs schreibt entwickelt zwangsläufig einen eigenen Bandorganismus. Genau dieser kollektive Puls zieht sich durch „Bad Milk“. Beginnend mit dem kurzen Intro „Globalized Condolences“, das nicht einfach nur als Auftakt funktioniert, sondern nahezu nahtlos in den ersten richtigen Song übergeht. Dieses fließende Ineinandergreifen der Tracks sorgt dafür, dass sich das Album von Anfang an wie aus einem Guss anfühlt – ein Eindruck, der sich über die komplette Laufzeit bestätigt.
Musikalisch bewegen sich Yeast Machine irgendwo zwischen 90s-Grunge, Stoner-Rock, Psychedelic und Alternative. Man könnte auch sagen: Tübingen liegt plötzlich irgendwo zwischen Seattle und Palm Springs. Eine besondere Rolle spielt dabei auch der Gesang. Die Klangfarbe des Sängers erinnert stellenweise an Mike Patton – ein Vergleich, der natürlich eine enorme Fallhöhe mit sich bringt. Doch statt daran zu scheitern, nutzt Yeast Machine diese raue, expressive Stimmfarbe als eigenen Charakterzug. Das ist vielleicht noch nicht das Level eines Patton, braucht sich aber definitiv nicht zu verstecken.
Ein besonders starker Moment des Albums ist für mich „Dust on the Radio“. Der Song bündelt im Grunde alles, was Yeast Machine ausmacht: dichte Gitarren, eine treibende Rhythmussektion, atmosphärische Passagen und eine Melodie, die sich langsam aber sicher im Kopf festsetzt. Wenn man einen Keytrack dieses Albums benennen müsste, dann vermutlich diesen. Hier offenbart die Band ihre Stärken – und erstaunlicherweise kaum Schwächen.
Ganz ohne kleine Hürden kommt das Album allerdings nicht aus. Die ganz große Eingängigkeit ist nicht immer das Ziel dieser Band. Das zeigt sich schon bei den Songtiteln. Ein Track wie „Feeding Poison To The Spiders Was Never Really My Thing“ ist nicht nur sperrig benannt, sondern auch musikalisch zunächst ein wenig widerspenstig. Doch genau darin liegt auch sein Reiz. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Menge spannender Ideen, dynamischer Brüche – und irgendwann blitzen dann doch diese überraschend eingängigen Refrains durch.
Das Album endet schließlich mit „The Golden Cage“, einer melancholisch schwebenden Nummer, die zunächst fast zurückhaltend wirkt – bis sich die Fuzz-Pedale wieder einschalten und eine dieser typischen, wuchtigen Soundwände aufbauen, für die das Album ohnehin ein Faible entwickelt.
Spannend ist dabei vor allem, dass „Bad Milk“ trotz seiner vielen Einflüsse erstaunlich geschlossen wirkt. Man hört den Songs an, dass hier fünf Menschen gemeinsam an einer musikalischen Sprache arbeiten, statt einzelne Ideen zusammenzukleben. Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis von Yeast Machine: Diese Band klingt nicht wie ein Projekt aus einem Studio. Sie klingt wie eine WG, in der zufällig ziemlich gute Rockmusik entsteht.
Fotocredit: Maxine Schneider