Manchmal gibt es diese Konzertabende, bei denen einfach alles stimmt. Gestern war genau so einer. Ort des Geschehens: Fabrik Hamburg. Schon lange hatte ich mich auf Hot Mulligan gefreut – und trotzdem haben sie es geschafft, meine Erwartungen noch einmal locker zu übertreffen. Es war nicht weniger als eine absolute 11 von 10.
Bereits die beiden Supportacts haben den Abend auf ein Level gehoben, das man erstmal erreichen muss. Catapults aus Oldenburg haben die Location, oder viel mehr die Leute darin, früh zum Kochen gebracht. Sympathische Kerle, die Bock haben auf das was sie tun und das wurde durch ihre Musik auch absolut authentisch transportiert. Danach haben Delta Sleep aus der UK mit ihrem atmosphärischen Indie-Sound für eine ganz besondere Stimmung gesorgt und das direkt ab Ton Eins. Technisch stark, emotional packend und die perfekte Vorbereitung auf das, was noch kommen sollte.

Dann Auftritt von Hot Mulligan. Wenn eines direkt zu Beginn des Gigs klar war: Hier würde heute niemand stillstehen. Es wurde äußerst fleißig gemosht und gepogt, und das von vorne bis hinten. Besonders schön war dabei die Stimmung im Pit: Alle haben wirklich herzig aufeinander geachtet, man half sich hoch, klopfte sich ab, grinste sich an. Immer wieder tauchten plötzlich Fundsachen im Moshpit auf – ein Handy hier, ein Schlüsselbund dort – die wie kleine Trophäen hochgehalten wurden, bis sie schließlich wieder bei ihren Besitzer:innen gelandet sind. Genau so muss das sein.
Soundtechnisch war das Ganze eine absolute Wucht. Druckvoll, klar, emotional. Jede Gitarrenspur saß, die Drums knallten und der Gesang ging direkt unter die Haut. Trotz einer Erkältung hat Hot Mulligan-Frontmann Tades Sanville auf der Bühne eine unfassbar gute Laune ausgestrahlt. Immer wieder hat er scherzhafte Anekdoten zum Besten gegeben. Unter anderem, wie amüsant er es findet, dass sich Deutsche anschauen oder fast schon mustern, wenn sie auf dem Bürgersteig aneinander vorbeilaufen. Die Halle kam also nicht nur in den Genuss von verdammt guter Musik, ein bisschen Comedy Feeling gabs auch noch obendrauf. Es wurde also gelacht, gejubelt und der Band jede einzelne Sekunde abgekauft, dass sie diesen Abend genauso liebten wie wir.
Auch Gitarrist und zweiter Sänger Chris Freeman hatte das Publikum stimmungstechnisch konstant bei Laune gehalten. Er hat animiert, angefeuert und dafür gesorgt, dass die Energie niemals abgeflaut ist. Zwischen Circle Pit und lautstarken Singalongs gab es keinerlei Verschnaufpause und das war mehr als gut so!

Die Setlist hat im übrigen auch (vielleicht bis auf ein-zwei fehlende Songs) keine Wünsche offengelassen. Spätestens bei How Do You Know It’s Not Armadillo Shells? war der Pit komplett eskaliert, Featuring Mark Hoppus hat für kollektives Mitsingen gesorgt und bei Stickers of Brian hatte ich das Gefühl, dass wirklich jede Person im Raum jede Zeile kannte. Der emotionale und gleichzeitig explosive Höhepunkt kam dann ganz am Ende: Equip Sunglasses als letzter Song. Noch einmal alles raus, noch einmal springen, schreien, schwitzen und sich in den Armen liegen.
Als die letzten Töne dann verklungen sind, hatte ich dieses einzigartige, perfekte Konzertgefühl: komplett durchgeschwitzt, heiser, glücklich. Hot Mulligan haben nicht nur musikalisch abgeliefert, sie waren sympathisch, nahbar und einfach verdammt gut. Die Stimmung war überragend, das Publikum respektvoll und voller Energie und genau dieser Mix hat den Abend so besonders gemacht. Wenn ich Punkte vergeben müsste: ganz klar – eine 11 von 10.
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Fotocredits: Johanna Lippke