Nachdem uns der britische Ausnahmekünstler Yungblud im Frühsommer 2025 mit dem ersten Kapitel seiner „Idols“-Reihe tief in seine britpop-geprägte Seele blicken ließ, vervollständigt Dominic Harrison nun mit „Idols Pt. II“ (VÖ 20.02.2026) sein bisher größtes Reifeprozess-Projekt. Unter der bewährten Federführung von Produzent Matt Schwartz bleibt Harrison seinem authentischen Stil treu, tauscht jedoch die lauten Revolten gegen eine atmosphärische, fast schon filmreife Melancholie ein.
Ein Streifzug durch die Soundlandschaft
Gleich der Opener „I Need You (To Make The World Seem Fine)“ fungiert als emotionaler Wegweiser. Was als zerbrechliches Akustik-Stück beginnt, schwillt durch den Einsatz von Streichern zu einer Brücke an, die den Hörer sanft vom ersten Teil abholt und in einer instrumentalen Wolke entlässt. Etwas mehr Biss beweist „The Postman“: Hier rückt die E-Gitarre in den Vordergrund und liefert einen Ohrwurm ab, der klanglich an die Dynamik früherer Nummern wie „Fire“ anknüpft.
Ein echtes Kuriosum und zugleich das Prunkstück der LP ist die Neuinterpretation von „Zombie“, für die sich Yungblud keine Geringeren als The Smashing Pumpkins ins Boot geholt hat. Die Ikonen drücken dem Track ihren Stempel auf, ohne die nachdenkliche Aura zu stören. Diese nackte Ehrlichkeit findet ihren Höhepunkt im recht kurzen „Time“. In nur 135 Sekunden verhandelt Harrison hier existenzielle Fragen nach dem „Morgen“ und knüpft damit inhaltlich direkt an die Identitätssuche seines Vorgängerwerks an.
Zwischen Evolution und Echo
Dass Harrison gerne mit Selbstzitaten spielt, wird bei „War Pt. II“ deutlich. Trotz identischer Textbausteine zu Beginn verwandelt sich das Stück durch ein opulentes Orchester-Arrangement von einem eher melancholischen Song in einen triumphalen Aufstieg. Ein gewisses Gefühl der Wiederholung lässt sich hier jedoch nicht leugnen. Ähnlich experimentell zeigt sich „Blueberry Hill“: Der Fünf-Minüter startet gewohnt hochtonal, überrascht dann aber mit einem Novum in Yungbluds Sound – einer Trompete. Das furiose Finale des Songs verwebt geschickt Zitate älterer Tracks zu einem epischen Ganzen. Den Vorhang schließt schließlich das orchestrale „Suburban Requiem“, das zwar phasenweise etwas gleichförmig wirkt, aber wie geschaffen für die großen Stadionbühnen der Welt scheint.
Fazit
Mit „Idols Pt. II“ liefert Yungblud ein handwerklich erstklassiges Werk ab, das vor allem durch seine Verletzlichkeit besticht. Er untermauert damit erneut seine Rolle als Sprachrohr einer empathischen Jugend. Da das Album jedoch stark als komplementäres Gegenstück zum ersten Teil fungiert, bleibt die große musikalische Neuerfindung aus; vieles wirkt eher wie eine (wenn auch gelungene) Spiegelung des bereits Bekannten. Wer auf radikale Innovation gehofft hat, wird die vielen Referenzen vielleicht als Wiederholung empfinden. Dennoch markiert die Platte einen stimmigen und emotionalen Schlusspunkt einer Ära, der gerade in der Stille seine größte Wucht entfaltet.
Fotocredit: Albumcover / Artwork