Wenn die Grenzen zwischen Horror-Spektakel, emotionaler Tiefe und brachialer Härte verschwimmen, dann steht die ausverkaufte Mitsubishi Electric Halle in Flammen. Am 20. Februar 2026 erreichte die „Afraid Of The Dark Tour“ ihren vorläufigen Höhepunkt: Motionless In White luden zum größten Konzert ihrer aktuellen Europatournee. Schon Stunden vor dem offiziellen Einlass um 18 Uhr zeichnete sich ab, wie tief die Verbundenheit zwischen der Band aus Scranton und ihrem Publikum ist. Einige Fans harrten unglaubliche 17 Stunden in der Kälte aus, um sich einen Platz in der ersten Reihe zu sichern – eine Hingabe, die die gesamte Atmosphäre des Abends prägen sollte.
Australische Wucht und kalifornische Gänsehaut
Punkt 19:00 Uhr eröffneten Make Them Suffer den Abend und machten sofort klar, dass sie nicht nur als Beiwerk angereist waren. Das Quintett aus Australien gilt längst als internationales Schwergewicht und untermauerte diesen Ruf mit dem wuchtigen Opener „Ghost Of Me“. Dank eines druckvollen Sounds peitschte die Energie sofort von der Bühne ins Publikum. Moshpits und die ersten Crowdsurfing-Einlagen ließen nicht lange auf sich warten, während Songs wie „Epitaph“ oder „Oscillator“ die Halle zum ersten Mal an diesem Abend spürbar zum Beben brachten. Mit dem finalen „Doomswitch“ hinterließ die Band eine bereits bestens aufgewärmte und begeisterte Menge.
Nach einer kurzen Umbauphase wurde es emotionaler, aber nicht weniger intensiv. Dayseeker aus Orange County bewiesen ab 19:45 Uhr, warum sie als eine der hoffnungsvollsten Formationen des Genres gehandelt werden. Frontmann Rory Rodriguez zog das Publikum von Sekunde 1 mit einer stimmlichen Präzision während des ersten Songs „Pale Moonlight“ in den Bann, die den Studioaufnahmen in nichts nachstand. Besonders der Moment, als sich die Halle während „Burial Plot“ in ein funkelndes Meer aus Handylichtern verwandelte, sorgte für kollektive Gänsehaut. Den emotionalen Höhepunkt bildete das abschließende „Neon Grave“, eine Widmung an Rorys verstorbenen Vater, die niemanden im Saal kaltließ. Es war die Bestätigung dafür, dass Dayseeker bereit für die ganz großen Bühnen dieser Welt sind.
Motionless In White liefern filmreife Darbietung
Nach einem humorvollen Einstieg mittels des populären „OIIA OIIA“-Katzen-Memes brach das akustische Gewitter los. Motionless In White starteten mit „Meltdown“ und verwandelten die Bühne augenblicklich in eine düstere Theaterinszenierung. Was folgte, war weit mehr als ein herkömmliches Konzert: Meterhohe Flammensäulen, Tänzerinnen mit Leuchtfackeln und spektakuläre Performance-Einlagen machten die Show zu einem cineastischen Erlebnis. Bei „Sign Of Life“ sprühten wortwörtlich die Funken, als die Tänzerinnen der Band mit Handkreissägen auf Metallplatten für industrielle Optik sorgten.
Die Setlist war ein meisterhaft kuratierter Ritt durch die Diskografie der Formation rund um Frontmann Chris Motionless. Während „Thoughts & Prayers“ mit der rituellen Verbrennung einer Bibel die düstere Seite betonte, setzte die Hymne „Voices“ mit Regenbogenfarben und der LGBTQIA+ – Flagge ein starkes Zeichen für Inklusivität und Zusammenhalt. Das neue Stück „Afraid Of The Dark“ fügte sich nahtlos ein und provozierte mit dem harten Breakdown massive Bewegung im Innenraum.
Die Performance von Motionless In White bei Songs wie „Werewolf“ oder „Necessary Evil“ wurde immer wieder von eindrucksvollen Tanzeinlagen der vielen Tänzerinnen unterfüttert und glichen eher einem Horror-Theaterstück als einem Metalcore-Konzert – pures Kino!
Dass es zwischendurch trotzdem gewaltig scheppern darf, bewiesen Songs wie „Slaughterhouse“ oder „Disguise“ : Die harten Breakdowns der Songs brachten die Halle zum beben und ließen die Stimmung endgültig eskalieren.
Die Show gipfelte in einer Mischung aus spielerischer Eskalation – inklusive Wasserbällen und Süßigkeiten bei „Not My Type: Dead As Fuck 2“ – und dem obligatorischen emotionalen Finale. Während des Songs „Another Life“ rieselte Kunstschnee auf die Bühne der Halle und unzählige Handylichter verwandelten die Konzertlocation in ein wunderschönes Lichtermeer. Zum Abschluss bei „Eternally Yours“ gab es nicht nur unzählige Rosen für die Fans, sondern auch das Versprechen, dass man im nächsten Jahr mit einem neuen Album wieder herkommen wird. Nach knapp 90 Minuten verabschiedeten sich Motionless In White vom Düsseldorfer Publikum und ließen sich ein letztes Mal richtig feiern.
Fazit
Dieser Abend in Düsseldorf hat eindrucksvoll unterstrichen, warum Motionless In White derzeit das Maß aller Dinge im theatralischen Metalcore sind. Es war die perfekte Symbiose aus drei musikalischen Welten: Die rohe, ungebändigte Energie von Make Them Suffer, die melancholische Brillanz von Dayseeker und die gigantische, horror-ästhetische Inszenierung des Hauptacts. Die Vorfreude auf das angekündigte neue Album und die nächste Rückkehr der Metalcore-Ikonen könnte kaum größer sein. Ein triumphaler Sieg für die moderne Rockmusik!
Fotocredit: Fabian Hafels