Mit „Somewhere In Between“ legt Mothica eine EP vor, die wie ein bewusst gesetzter Übergang wirkt – nicht als Bruch, sondern als Neuausrichtung. Es ist ihr Debüt für ein neues Label, zugleich aber vor allem eine künstlerische Standortbestimmung: zwischen Kontrolle und Kontrollverlust, zwischen Pop-Appeal und emotionaler Unbequemlichkeit. „Somewhere In Between“ fühlt sich an wie das Protokoll eines inneren Zustands, der nicht aufgelöst werden will, sondern ausgehalten werden muss.
Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen von Mothica, die oft stark von düsterer Introspektion, Industrial-Anleihen und einer fast klaustrophobischen Emotionalität geprägt waren, wirkt diese EP offener und zugleich zielgerichteter. Der Sound ist klarer, direkter und pop-affiner, ohne dabei an Schwere zu verlieren. Wo frühere Werke stellenweise bewusst überladen wirkten, setzt „Somewhere In Between“ stärker auf Fokus und Struktur. Die Arrangements lassen mehr Luft, die Songs atmen – und genau dadurch entfalten sie ihre Wucht.
Inhaltlich bleibt Mothica kompromisslos ehrlich. Die EP kreist um Selbstwahrnehmung, Abhängigkeiten, Begehren und die Frage nach Autonomie in einer Welt, die ständig bewertet, beobachtet und konsumiert. Diese Themen sind nicht neu im Kosmos der Künstlerin, doch sie werden hier differenzierter verhandelt. Statt reiner Konfrontation tritt eine reflektierte Selbstbeobachtung, die weniger zerstörerisch, dafür nachhaltiger wirkt. „Somewhere In Between“ klingt nicht mehr nur nach Überleben, sondern nach dem Versuch, mit den eigenen Widersprüchen zu leben.
Verglichen mit älteren Releases wirkt die EP musikalisch souveräner, emotional kontrollierter und in ihrer Wirkung klarer. Mothica verliert dabei nichts von ihrer Intensität, sondern kanalisiert sie gezielter. Das Ergebnis ist ein Werk, das weniger schockieren will, dafür länger nachhallt. Gerade diese Zurückhaltung verleiht „Somewhere In Between“ eine neue Tiefe und zeigt eine Künstlerin, die ihre Sprache gefunden hat – ohne sie zu vereinfachen.
Am Ende steht eine EP, die nicht den Anspruch hat, Antworten zu liefern. „Somewhere In Between“ akzeptiert den Zustand des Dazwischen als Realität und macht daraus ihre größte Stärke. Für Mothica ist dieses Werk kein radikaler Neubeginn, sondern eine konsequente Weiterentwicklung – reifer, klarer und emotional präziser als vieles, was sie zuvor veröffentlicht hat.
Fotocredit: EP-Cover / Artwork