Manchmal muss man sich neuen Blicken aussetzen, um wirklich gesehen zu werden. Mit seinen 22 Jahren kennt Baumgart das Gefühl, irgendwo zu sein, ohne so richtig wahrgenommen zu werden, schon ziemlich lange.
In seiner Kindheit in Dortmund wird er früh kreativ und musikalisch aktiv, ist ambitioniert und aufmerksam – und damit in seinen Kreisen oft der Außenseiter: Während alle in der großen Pause Fußball spielen, sitzt Baumgart am Klavier. Und wird dafür komisch angeschaut. Und gemobbed, auch für sein Äußeres.
Vielleicht ist es genau deshalb so, dass Baumgart seit seinem Schulabschluss nie lange an einem Ort blieb. Nach Stationen in Iserlohn und Berlin und mit einer Menge DIY-Musik- Erfahrung im Rücken lebt er aktuell in Hamburg.
Nicht aus bloßer Lust auf Aufbruch, sondern aus dem Versuch, einen Platz zu finden, an dem man sich nicht erklären muss, sondern einfach sein kann.
Einen Ort, der sich weniger nach Anpassung und mehr nach Ankommen anfühlt. Und manchmal ist eine Bahnstrecke von 284 Kilometern genau die richtige Distanz, um eine klarere Sicht auf alles Bisherige zu gewinnen.
Seine Debüt Single „Der schlimmste Ort ist in mir drin“, welche am 13. Februar endlich das Licht der Welt erblickt, fasst diese Gedanken zusammen und Baumgart erkennt, dass es nicht der Ort ist, den er noch finden muss: „Scheissegal ob Berlin oder Iserlohn, nirgendswo fühl ich mich angekommen, sag mir wann hab ich mein Herz verloren?“
Musikalisch bewegt sich Baumgart zwischen modernem Indie-Sound und intimen Songwriter-Momenten, öffnet seine Lieder aber immer wieder auch für elektronische Einflüsse und Sprechgesang. Seine Stimme wirkt dabei häufig drängend, suchend und sehr nah – sie hält die vielen Eindrücke zusammen, ohne sie ordnen zu wollen.
Seine Musik dokumentiert keine fertigen Antworten, sondern seine Lebensphasen – die Übergänge zwischen Jugend und Erwachsensein, Aufbruch und Zweifel, Verliebtsein und Isolation. Genau in diesem Dazwischen liegen die Stärken seiner Songs. Dort liegt vielleicht auch die Möglichkeit eines Zuhauses, in dem Baumgart sich mit seiner Umgebung wirklich verbunden fühlt.
“Der schlimmste Ort ist in mir drin” ist hier also nur der Beginn einer ganz große Reise und wir freuen uns auf jede weitere musikalische Therapiestunde, die man mit seinen Songs durchleben darf.
Fotocredit: Singlecover / Artwork