Gegründet von Filmemacher und Autor Lars Henriks und Schauspielerin und Produzentin Nisan Arikan, ist das Miskatonic Theater seit 2021 eine der ungewöhnlichsten Theateradressen Deutschlands – und die vermutlich leidenschaftlichste.
Was als Open-Air-Projekt auf der Freilicht im Harburger Stadtpark begann, wurde zur Initialzündung ganz eigenes Genre: Horror auf der Bühne.
„Im deutschen Film ist und bleibt Horror undenkbar. Als wir entdeckt haben, dass im Theater und Hörspiel durchaus Platz dafür ist, haben wir uns wahnsinnig gefreut und uns Hals über Kopf in die Arbeit geworfen!”, sagt Lars Henriks über den Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte.
Nach ersten Erfolgen mit der Horror-Adaption „Shakespeare“ und der „König in Gelb“ auf der Freilichtbühne bauten sich Arikan und Henriks in Hamburg-Harburg ihre erste eigene auf: das antikyno. Dort wurde nicht nur Theater gespielt, sondern auch Independent-Filme gezeigt und Hörspiele produziert.
Schnell zeigte sich: Während der Independent-Film in Deutschland für immer verlorenes Terrain bleiben wird, trifft das Miskatonic Theater mit seinen Lovecraft-Adaptionen, seinen Gruselmusicals und düsteren Komödien einen Nerv. „Der Ruf des Cthulhu“, „Schattenüber Innsmouth“, „Dagon“, „Das Fest“ und „Der Flüsterer im Dunkeln“ füllten die Ränge.
Aus dem antikyno zog die Truppe nach kurzer Zeit in größere Räumlichkeiten um und konzentrierte sich fortan voll und ganz auf Horror-Theater. Das Miskatonic Theater war geboren.
Schon kurz vor der Eröffnung begann aber auch das außergewöhnliche Pech des Miskatonic Theaters: Ein Einbruch, bei dem sämtliche Technik des Theaters und Tonstudios entwendet wurde, machte die Eröffnung fast unmöglich. Nur der beeindruckende Support der regen Fan-Gemeinschaft rettete das Projekt.
Mit einem festen Ensemble, herausragender technischer Umsetzung und dem Rückhalt einer ungewöhnlich aktiven Fan-Community (inkl. Discord-Server, Memes und Merch) entwickelte sich das Miskatonic Theater zur Anlaufstelle für Horror-, Fantasy- und Theaterfans aus ganz Deutschland. Die ARD-Audiothek verzeichnete mit dem Hörspiel-Podcast „Korridore„einen der größten Fiction-Erfolge ihres Portfolios – ebenfalls made by Miskatonic.
Doch dann der Schock: Am 9. März 2025 brannte das Theater in Harburg vollständig aus. Die Räume, Technik, Requisiten – alles vernichtet. Auch die Wohnung von Henriks und Arikan wurde Opfer der Flammen. Drei Monate lang war das Leitungsteam obdachlos. Und doch blieb das Theater nicht still.
Dank einer unerschütterlichen Community, beherztem Engagement des Ensembles und kreativer Ausdauer fand das Miskatonic Theater Unterschlupf in Hamburgs Szeneviertel Sternschanze – dauerhaft im Haus 73 und mit Gast-Produktionen im Hamburger Sprechwerk.
Und der Output? Ungebrochen. Nach der Exil Eröffnungsproduktion „Die Musik von Erika Zann“ laufen gerade die Vorbereitungen für den großen Horror Musical Sommer auf Hochtouren. H.P. Lovecrafts „Die Träume im Hexenhaus“ und das Frankenstein-Musical „Frankenstein: Mary Shelleys Monster“ beweisen: Die Flamme des Horrors brennt weiter.
Neben den Inszenierungen bietet das Miskatonic Theater auch interaktive Donnerstagsformate wie das Horror-Game-Show-Format „Dreadnight„, die Comedy-Spielshow „Pitch Perfect„, das Pen & Paper Format „Demokraten & Dragons“ mit gewählten Vertreter*innen aller demokratischen Fraktionen die sich trauen (die CDU bislang nicht), oder internationale Horror-Kurzfilmslams. Alles, was das Herz einer jungen, genre-affinen Zielgruppe höherschlagen lässt.
“Wir sind das einzige Theater, bei dem das Publikum nach einer Vorstellung Memes bastelt und sie auf Discord postet”, sagt Nisan Arikan. Lars Henriks ergänzt: “Unser Theater ist eine Mischung aus Lovecraft, Punkrock und Impro. Wir sind nicht subventioniert, aber dafür sehr lebendig.”
Website: https://miskatonictheater.com/
Instagram: https://www.instagram.com/antikyno.miskatonic/
Fotocredit: Offizielle Grafik