Es ist ein lauer Mittwochabend in Husum und vor dem Speicher drängen sich Fans, als wäre es das wichtigste Event des Jahres – und vielleicht ist es das auch: Ignite machen auf ihrer großen Europatour Halt im kleinen, beschaulichen Husum. Die Hardcore-Legenden aus Orange County, Kalifornien, die in den letzten Wochen auf Bühnen vom spanischen Resurrection Fest bis zum Ruhrpott Rodeo standen, spielen heute vor gerade einmal ein paar Hundert Leuten im rappelvollen Speicher. Kleiner geht’s kaum – intensiver auch nicht.
Schon beim ersten Song wird klar: Hier trifft Weltklasse-Hardcore auf Wohnzimmeratmosphäre. Frontmann Eli Santana brüllt sich vom ersten Ton an die Seele aus dem Leib, während die Band wie ein Uhrwerk liefert. Songs wie „Veteran“ und „Bleeding“ verwandeln das Publikum sofort in einen brodelnden Moshpit, der den kleinen Club erbeben lässt. Das Besondere: Trotz der monumentalen Tour, die Ignite durch halb Europa führt, wirkt das Konzert in Husum kein bisschen wie ein Zwischenstopp. Die Band zeigt sich sichtlich gerührt von der Energie im ausverkauften Speicher und gibt alles – als wäre es ein Headliner-Slot vor Zehntausenden.
Zwischen den Songs nimmt sich Eli Zeit für persönliche Ansagen. Er spricht über Zusammenhalt, Hoffnung und gesellschaftliche Missstände – genau die Themen, die Ignite seit Jahrzehnten prägen. Dabei entsteht eine intime Verbindung zum Publikum, die man in großen Hallen oft vergeblich sucht.
Soundtechnisch liefert der Speicher Husum ab: Druckvoll, klar, aber roh genug, um den Hardcore-Sound der Kalifornier unverfälscht zu transportieren. Das Publikum feiert jede Sekunde – und als nach gut 75 Minuten und einer schweißtreibenden Zugabe das Licht angeht, liegen sich Fans und Band fast schon freundschaftlich in den Armen.
Ignite haben einmal mehr bewiesen, dass Hardcore nicht von der Größe der Bühne abhängt. Manchmal reicht ein kleiner Club in einer norddeutschen Kleinstadt, um ein Konzert unvergesslich zu machen.
Review: Kevin Randy Emmers
Fotocredit: Anne Goethe / Summer Breeze 2024